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Weshalb ich länger leben möchte

Die nächsten vier Artikel sind die Gewinner eines Blog-Wettbewerbs von Better Humans [Anm. d. Red. Die ursprüngliche Seite existiert leider nicht mehr]. Die Aufgabe war, einen Artikel darüber zu schreiben, warum man für immer bzw. länger leben möchte.

  1. Weshalb ich länger leben möchte
  2. Die Unendlichkeit feiern
  3. Leben, mehr Leben, besser Leben
  4. Wozu leben?

Insbesondere gefällt mir dieses Zitat aus den letzten Beitrag:

“Millionen suchen nach der Unsterblichkeit; wissen aber nicht, was sie an einem verregneten Sonntag nachmittag mit sich anfangen sollen.” —Susan Erz

Weshalb ich länger leben möchte

Einen Aufsatz über das Thema “Weshalb ich länger leben möchte” zu schreiben, erinnert mich an die Aufsätze, die ich in der Grundschule schreiben musste – “Wie ich meine Sommerferien verbracht habe” oder “Was ich einmal werden möchte, wenn ich groß bin.”

Da ich in meinen 20ern bin, bin ich immer noch auf dieser unbesiegbaren Stufe – ich werde nie alt werden, mein Körper wird nie Ausfallerscheinungen haben. Meine Aussichten fangen aber langsam an, sich zu verändern. Es begann alles am 27. Mai, meinem 24. Geburtstag. Ich bin wirklich nicht besonders engagiert, wenn es um einen gesunden Lebensstil geht – ich gehe gern in Bars und rauche, wenn ich trinke. Ich liebe Popcorn mit Butter. Ich nehme gelegentlich Drogen.

Nichts davon schien eine Rolle zu spielen – bis zu dem Tag an dem ich 24 wurde. An diesem Tag – wie an jedem anderen Wochentag – stand ich auf und machte mich für die Arbeit fertig. Als ich mich aber im Ganzkörperspiegel betrachtete, bemerkte ich, dass meine Arme nicht ganz so straff waren, mein Arsch anfing zu hängen und mein Bauch eine schöne, gemütliche Fettschicht angesetzt hatte. Ich war etwa drei Monate nicht im Fitnessstudio gewesen und entschied, dass es an der Zeit war, in Form zu kommen – ich wollte ja eine Bikinifigur für den Sommer, nicht wahr?

Ich verbrachte den ganzen Arbeitstag damit, mir über den Sport am Abend Gedanken zu machen – ich würde eine halbe Stunde laufen (wie ich es immer getan hatte) und dann meine Pilates-DVD einlegen (die ich aus einer Laune heraus gekauft hatte). Es wäre ein Workout, welches mich wieder auf den richtigen Weg bringen würde.

Als ich nach Hause kam, zog ich meine Sporthose an – die nun etwas zu eng war. Ich schnürte meine Laufschuhe und lief los. Ich lief einen Weg am Calgary’s Elbow River entlang – einen Block, zwei, drei … – ich schaffte fast zehn Blocks, aber verdammt nochmal, dann konnte ich nicht mehr atmen. Ich schaute auf meine Uhr. Ich war gerade einmal fünf Minuten gelaufen.

Zwei Damen in den 40ern (mit dicken Bäuchen, das muss ich dazuschreiben) überholten mich – natürlich hatte ich sie zuerst überholt, aber sie waren in besserer Form. Ich war besiegt und lief entmutigt nach Hause. Keine Chance, dass ich jetzt noch Pilates machen würde – also entschied ich mich, meinen dicken Hintern für einen Abend zu vergessen und mich fertig zu machen, um meine Sorgen wegzutrinken (und meinen Geburtstag zu feiern).

Meine Freunde und ich gingen in eine beliebte Bar auf der 17th – ins “Ship and Anchor”. Alle dort schienen jünger als ich. Das deprimierte mich noch mehr und ich schluckte ein paar Cape Cods und einige Jägermeister.

Juhu – ziemlich schnell tanzte ich – obwohl es gar keine Musik gab – einer meiner Freunde brachte mich nach Hause. Ich schlief in meinen Sachen auf der Couch ein. Am nächste Morgen erwachte ich schließlich gegen 11 Uhr.

Was zur Hölle – ich habe sicher die Grippe – mein Kopf fühlte sich schlimm an – mein Magen drehte sich – ich hatte einen Kater. Ich hatte bisher nur einmal Mal einen Kater, als ich 19 und eine Woche lang Campen war und dort ein ziemliches Lotterleben geführt hatte, wobei ich drei 1-Liter-Flaschen Jack Daniels geleert und mich nur von Hot Dogs ernährt hatte. Am letzten Morgen wachte ich zitternd auf und kotzte den ganzen Tag (wahrscheinlich zucken die gesundheitsbewussten Leute da draußen gerade zusammen …)

Am Morgen nach meinem 24. Geburtstag (der erst drei Wochen her ist), habe ich mich entschlossen, meinen Lebensstil radikal zu ändern. Wahrscheinlich verspotten mich jetzt alle und sagen, dass es nur eine Phase ist, aber ich war bisher äußerst gewissenhaft im Fitnessstudio – vier Mal die Woche Krafttraining und drei Mal die Woche Laufen. Ich werde immer fitter und werde versuchen, im Herbst dem Track-Team an der Universität beizutreten.

Ich will länger leben, weil ich erkannt habe, dass ich in 24 Jahren nicht wirklich viel erlebt habe (und das ist mehr als ein Viertel meines Lebens, wenn man sich die durchschnittliche Lebenserwartung ansieht). Ich habe es als selbstverständlich angesehen, dass es in meiner Familie keine größeren Krankheiten gibt, dass meine Ur-Großmutter über 90 Jahre alt und sogar dreifachel Ur-Ur-Großmutter wurde.

Ich habe immer noch viel Zeit, das weiß ich, aber wenn ich mit meinen schlechten Gewohnheiten so weiter mache, dann werden dies meine Freunde in meinem späteren Leben – Hallo Diabetes, Krebs, Leberversagenn, etc. Ich hoffe wirklich, dass Aubrey de Grey richtig liegt und dass eine Verlängerung der Lebenserwartung für mich drin ist, da ich erst in meinen 20ern bin.

Jetzt habe ich also angefangen, Sport zu treiben, weniger zu trinken und kein Fast Food mehr zu essen. Ich versuche auch der Versuchung des Rauchens zu widerstehen, wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin. Das ist nicht viel, aber ich werde nicht mein ganzes Leben mit dem Versuch verbringen, mein Leben zu verlängern – ich möchte die Freude eines Schoko-Martinis oder den Geschmack eines dekadenten Essens nicht missen.