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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Wie du deinen Tag visualisiert

Den nächsten Tag visualisierst du am besten vor dem Einschlafen.

Es heisst, die beste Art die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu erfinden. Auch wenn es offensichtlich eine Menge gibt, das bezüglich noch nicht geschehener Ereignisse außerhalb deiner Kontrolle liegt, so solltest du doch zumindest etwas Kontrolle darüber haben, wie du den heutigen und morgigen Tag verbringst. Und sich vorzustellen, wie der nächste Tag aussehen soll, ist eine der besten Möglichkeiten um sicherzustellen, dass du deine Zeit intelligent nutzt.

Das geht über das Schreiben einer To-Do-Liste hinaus. Das ist eine Form der mentalen Programmierung. Hier ist eine spezifische Technik, die du verwenden kannst (gibt natürlich auch noch andere). Bevor du schlafen gehst – oder am Morgen, direkt nach dem aufwachen (ich empfehle ersteres) – nimmst du dir 5-10 Minuten Zeit um dir deinen Tag auszumalen. Stell ihn dir wie einen Film vor, der sich vor deinem inneren Auge abspielt und lass ihn im Schnelldurchgang laufen, so dass du deine 16 Stunden Wachzeit in nur ein paar Minuten komprimieren kannst.

Jetzt ist dieser Rat nicht sonderlich originell, deswegen gehe ich ein Stück weiter. Wenn du dir deinen Tag so vorstellst, dann achte dabei darauf, was dir dein Bauchgefühl zu jedem Teil sagt. Dazu braucht man etwas Übung und für mich klappt es am besten, wenn ich mir vorstelle, in einem Kino zu sitzen und meinen Tag als Film auf der großen Leinwand sehe. Der Film läuft automatisch ab (kontrolliert von meinem Unterbewusstsein) und mit meinem Bewusstsein beobachte ich, reagiere und nehme meine Reaktionen auf das, was auf der Leinwand erscheint, wahr. Es ist fast wie bei einem richtigen Kinobesuch, bei dem du in einer emotionalen Szene etwas verspürst und durch Meta-Beobachtung feststellst, dass du gerade emotional wirst. Wenn das zu kompliziert klingt um alles auf einmal zu machen (wie gesagt, es braucht etwas Übung), dann lass den Film erstmal normal ablaufen und wenn er zuende ist, dann versuch dich daran zu erinnern, wie du dich bei bestimmten Abschnitten gefühlt hast.

Jetzt hast du deine Visualisierung des nächsten Tages und kennst die Gefühle, die du mit jedem Abschnitt verbindest. Diese Gefühle sind dein Feedback – also nutze dieses Feedback um deinen Film zu verbessern. Hast du dich manchmal gestresst, besorgt oder ängstlich gefühlt? Wenn ja, dann geh nochmal zurück und verändere das Drehbuch. Du kannst gedanklich diese Abschnitte des Films verändern, um negative, emotionale Auslöser zu beseitigen. So hilft z.B. sanfte Musik gegen Stress. Iss gesünder. Nimm dir die Zeit für einen schönen langen Spaziergang. Wenn es nötig ist, dann schreib alles um – denk daran, dass dein Tag noch nicht einmal begonnen hat, also entferne die Fehler bevor du damit richtig loslegst.

Achte zudem darauf, welche Abschnitte deinens Films bei dir eine positive, emotionale Reaktion erzeugen und ob du diese noch verstärken kannst. Was du bei der Beobachtung deiner positiven, emotionalen Reaktionen lernst, kannst du dann wiederum verwenden um die schwächeren Abschnitte deines Films zu verbessern. Arbeite solange an deinem eigenen B-Movie, bis du einen Oscar-Gewinner geschaffen hast.

Schließlich solltest du das Ende mit einer passenden Version vom “Ritt in den Sonnenuntergang” ausstatten. Stell sicher, dass dein Tag angenehm endet und stell dir vor, wie gut du dich dabei fühlst. Denk darüber nach, was für ein Gefühl du am Ende deines Tages haben willst – Errungenschaft, Frieden, Sieg, etc. und entwickele eine abschließende Finalszene, die das beinhaltet. Es könnte auch so etwas Simples sein, wie zufrieden und mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu Bett zu gehen.

Wenn du nun einen Film hast, den du wirklich liebst, dann sag zu dir selbst:

“Alles abspeichern.”

Du hast es geschafft.

Achte darauf, wie sich der nächste Tag entwickelt. Wenn es dir wie mir geht, dann klappt es nie so perfekt, wie im Film. Aber er wird dennoch deutlich besser werden, verglichen mit einem sonst typischen Tag, wenn du vorher keine Visualisierung gemacht hast.

Heute morgen habe ich diese Übung gemacht und mir vorgestellt, wie der Tag werden wird. Ich habe ihn mit viel Aktivitäten vollgestopft und wollte mich dazu bringen, eine Menge wichtiger Aufgaben zu erledigen. Aber mein erster Versuch zeigte mir, dass es wohl ziemlich langweilig werden wird. Gestern habe ich den Papierkram für eine neue GmbH (engl. LLC) erledigt und der Plan für heute sah den Gesellschaftervertrag und andere formelle Unterlagen vor, damit ich bald loslegen kann. Im Prinzip soll aus dieser Ein-Mann-Unternehmung eine etwas mehr strukturierte, juristische Person werden. Aber Papierkram zu erledigen, macht keinen besonders spannenden Tag. Also habe ich den imaginären Film korrigiert, indem ich den Papierkram aufgeteilt habe und interessantere Aufgaben dazwischengepackt habe – wie z.B. diesen Artikel zu schreiben. Und heute Abend gehe ich zu einem zweistündigen Comedy-Improv-Workshop – so lässt sich der Arbeitstag großartig abrunden. Schließlich fand ich, dass sich mein Film gut genug anfühlt, also abe ich ihn gedanklich abgespeichert und den Tag mit einem Frühstück begonnen. Auch wenn die Arbeit nicht sonderlich spannenden werden sollte, so fühlte ich mich doch sehr motiviert und enthusiastisch als ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt habe.

Allerdings verläuft der Tag (der inzwischen zur Hälfte vorbei ist) anders, als ich es mir in meinem Film vorgestellt habe. Ich habe festgestellt, dass der Papierkram weniger ermüdend als gedacht war, also habe ich mich entschieden, alles auf einmal zu erledigen statt zwischen verschiedenen Aufgaben zu wechseln und konnte so alles vor dem Mittag erledigen. Jetzt verbringe ich die zweite Hälfte des Tages mit all den interessanten Dingen.

Ich kann nicht behaupten, dass diese Visualisierung “die Zukunft erschafft” – zumindest nicht mit einem sinnvollen Maß an Genauigkeit. Was die Genauigkeit angeht, ist sie vermutlich nicht besser als das Schreiben einer To-Do-Liste. Aber diese Methode erhöht meine Motivation und Konzentration doch beträchtlich. Ich merke, dass ich viel weniger anfällig für Ablenkungen bin und mich besser konzentrieren kann. Auch wenn der Tag nie ganz so verläuft, wie ich es visualisiert habe, so läuft es insgesamt doch besser als sonst. Man könnte sagen, dass die tatsächlichen Bilder den Schneideprozess nicht überleben, aber dafür die Gefühle und die Energie. Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich Energie in die Zukunft schicken, wie als wenn man mit einem Fussball einen Pass durch die Zeit schiesst, der von meinen zukünftigem Ich angenommen und ins Tor getragen wird.

Versuch es mal mit dieser Form der Visualisierung und schau dir an, was passiert. Die beste Zeit dafür ist, wenn du schon im Bett liegst, aber noch nicht eingeschlafen bist.

Andererseits besteht die Chance, dass du diese Technik bereits anwendest ohne es zu realisieren. Wenn du dir wegen morgen Sorgen machst (oder schlicht annimmst, dass es langweilig wird und dir der Enthusiasmus fehlt), dann nutzt eine negative Visualisierung. Und in diesem Fall kannst du im allgemeinen annehmen, dass das Gegenteil eintritt. Dein Tag wird vermutlich nicht so schlecht verlaufen, wie du es dir vorgestellt hast (was sicherlich auch eine zeitweilige Erleichterung ist), aber dennoch wird er verglichen mit einer positiven Visualisierung eher lausig sein.

Wenn es um Visualisierung geht, dann gibt es nichts Neutrales. Deine Energie ist entweder + oder -. Also stell sicher, dass es ein + ist.

Woher weißt du, ob du gerade ein + oder ein – bist? Wenn dir die Antwort darauf nicht offensichtlich ist, dann bist du ein -. Wenn du ein + wärst, dann würden gar keine Zweifel daran aufkommen. Es ist, wie wenn man sich fragt:

“Ist das ein Traum?”

Wenn du dir ernsthaft diese Frage stellen musst, dann schläfst du definitiv – und träumst. Tatsächlich ist das eine gute Möglichkeit um luzid (im Traum bewusst) zu werden.