Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Wie du zu der Person wirst, die du sein solltest

Normalität gibt es nicht. Jeder hat eine andere Vorstellung davon …

Bist du normal?

Ich bin sicherlich nicht normal. Ich wurde blond, blauäugig und farbenblind geboren. Ich sehe also nicht nur anders aus – ich sehe auch anders als “normale” Menschen aus. Und um das Ganze noch schlimmer zu machen, bin ich Linkshänder… eine Jauchegrube rezessiver Gene. Mit der Zeit wurde mein Mangel an Normalität immer schlimmer, denn ich bemerkte weitere Unterschiede und begann meine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Irgendwann erkannte ich, dass “normal” nur ein Konzept in meinem Kopf ist. Genaugenommen war mein “normal” nicht dasselbe, wie das von jemand Anderen. Sogar mein “normal” war einzigartig. Und Tatsache ist, es war nur ein Weg mich selbst einzuschränken – ein Konzept, das überhaupt nur der Angst entspringt.

Du musst erkennen, dass du anders bist, als jeder Andere auf der Welt. Niemand auf diesem Planeten ist genau wie du – das gilt auch, wenn du ein Zwilling bist. Nichtmal annähernd. Deine individuelle Ansammlung an Erfahrungen macht dich einzigartig.

Und was machen die meisten Menschen mit dieser Einzigartigkeit? Sie versuchen sie zu vergessen. Sie klammern sich an das Rudel und denken sie müssten wie alle anderen sein. Sie streben noch Normalität, um den anderen so ähnlich wie möglich zu sein.

Das ist eine absolute Torheit, da Normalität nicht existert – außer als imaginäres Konzept. Hast du jemals eine 100% normale Person getroffen? Bist du normal? Oder gibt es irgendetwas einzigartiges an dir, das dich vom Rest des Rudels unterscheidet?

Vergiss die dummen Kategorisierungen

“Normal” ist kein Kategorisierung, die deiner wert ist. Sie ist wertlos. Vielleicht bist du besorgt, dass du zu unterschiedlich bist und verbannt werden könntest. Das kann schon passieren. Du wirst von anderen, angstgetriebenen Normalitätssuchenden geächtet, aber ihre Akzeptanz ist im Prinzip ebenso wertlos. Aber positiv gesehen: Wenn sie dich rauswerfen, dann wird dich die stetig wachsende Gemeinschaft der Menschen mit einem weiterentwickelten Bewusstsein mit offenen Armen begrüßen. Zudem macht es eine Menge Spaß, später wieder zurückzugehen und die Normalitätssuchenden zu necken.

Jedoch sind “unnormal” oder “anders” keine Kategorisierungen, die du anstreben solltest. In diesem Fall suchst du aus egoistischem Antrieb nach dem Gegenteil der Normalität – um dich einzigartig fühlen zu können. Aber die Person, die du sein solltest, befindet sich nicht auf dem linearen Spektrum von “normal” bis “anders”. Es wird dir nichts helfen, wenn du dich mit anderen vergleichst. Was du brauchst, ist ein Weg dich mit dir selbst vergleichen zu können.

Wie du dein besseres Selbst entdeckst

Der beste Weg, den ich gefunden habe, um die Person zu werden, die ich sein sollte, ist ein Treffen mit eben dieser Person. Das kannst du auch un es ist gar nich so schwer. Du kannst es in deiner Phantasie machen. Lies dazu Meine Lieblingsmeditation, wo die Details erklärt werden. Im Grunde stellst du dir vor, wie du einen Raum betrittst, dein zukünftiges Ich triffst und mit ihm eine Konversation hast. Es ist eine sehr erleuchtende Erfahrung.

Als ich diese Meditation in meinen frühen 20ern machte und mein zukünftiges Ich in Gedanken traf, dann war eins der ersten Dinge, die mir an ihm auffielen, dass er völlig frei von Angst war. Er schien amüsiert über all die Angst, die ich ihn mir zu tragen schien und er zog mich sogar etwas deswegen auf. Wenn ich ein Problem oder eine Sorge hatte, dann empfahl er eine sehr kühne und direkte Lösung, die aber oft eine ganze Menge Mut zur Umsetzung benötigte. Er war brutal ehrlich und direkt, spielte keine Spielchen oder machte irgendetwas anderes Manipulatives. Ich wusste immer, wo ich bei ihm stand. Er maß mich immer an einem höheren Standard, als ich es selber tat.

Ich konnte sehen, dass sein Mut ihm ein unglaubliches Gefühl inneren Friedens gab. Aber ich verstand nicht, wie ich selber dieses Niveau erreichen konnte. Es hat mich viele Jahre gekostet, herauszufinden, was die Quelle seines Mutes war. Sein Mut entstand dadurch, dass er die Realität auf eine bestimmte Weise betrachtete – eine Weise, in der es keinen Sinn machte, sich zu fürchten. Er hat also nicht seinen Angst überwunden oder sich ihr gestellt. Er verspürte einfach generell keine Angst. Angst war für ihn nicht mehr als eine Illusion, also war es sinnlos sich zu fürchten. Vielleicht nennen wir es besser Furchtlosigkeit als Mut.

Aber er war kein totaler Erfolg – Tatsache ist, dass er mehr Niederlagen erlitten hatte als ich. Er hatte mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, aber stellte sich ihnen und unternahm etwas. Er zögerte nie oder sorgte sich über das Resultat. Für ihn ging im Leben um Aktionen, Resultate, Erfahrung, Lernen und Wachstum. Angst war einfach kein Teil dieser Gleichung.

Man kann diese Meditation so sehen, dass mein Unterbewusstsein diese imaginäre Person als eine Projektion dessen erschaffen hat, von dem ich fühlte, dass ich es werden könnte – eine idealisierte Version von mir. Aber vielleicht existiert diese Person auf einer gewissen Ebene auch. Wie es jedoch zu diesem Modell am Ende kam, ist mir eigentlich gar nicht so wichtig – mir geht es mehr darum, dass es mir Raum zum Wachstum gibt.

Wie du dein besseres Selbst wirst

Wenn du dein besseres Selbst triffst und es näher kennenlernst, dann erhälst du ein Modell für dein eigenes Wachstum. Es ist ein Weg sich mit sich selbst zu vergleichen. Du musst dich nicht um Kategorisierungen wie “normal” kümmern, die nur darauf basieren, dich selbst mit anderen zu vergleichen. Du siehst eine Vision, die sich nur um dich dreht – eine, die du auch tatsächlich verwirklichen kannst.

Jahr für Jahr, wenn ich diese Meditation wiederholt habe, hat sie mir einen machtvollen Weg für mein persönliches Wachstum gezeigt. Indem ich mein aktuelles Selbst mit meinem zukünftigen Selbst verglichen habe, konnte ich immer sehen, was ich als nächsten Schritt angehen musste. Mein zukünftiges Ich wurde die Vision dessen, wohin ich gehen wollte. Er war die Person, die ich werden würde.

Mein zukünftiges Ich hatte auch die Lösung für all meine Wachstumsprobleme, weil er sie bereits gelöst hatte. Ich hatte nie das Problem, dass ich nicht wusste, was ich machen sollte. Die Herausforderug lag immer nur darin, mich selbst anzuspornen.

Schließlich wurde diese Vision so stark, dass ich die Präsenz meines besseren Ichs auch außerhalb der Meditationen spüren konnte. Er war ein Teil meines Bewusstseins, dass ich jederzeit abrufen konnte, wie eine lebhafte Erinnerung. Manche Leute würden so eine imaginäre Person als einen spirituellen Führer definieren. So hat es sich zumindest manchmal angefühlt.

Nach einigen Jahren konnte ich eine Verschmelzung meines besseren Ichs mit meinem aktuellen Ich spüren… bis zu dem Punkt, wo ich die beiden nicht mehr voneinander unterscheiden konnte. Ich wurde tatsächlich die Person, die ich mir in meinen 20ern vorgestellt hatte. Es hat jedoch mehr als ein Jahrzehnt gedauert, um diesen Punkt zu erreichen. Und jetzt sehe ich eine andere Projektion eines neuen, besseren Ichs – eines das viel weitreichender ist und das mir dabei hilft, mich durch die nächsten Schritte dieser unglaublichen Reise zu geleiten, die das Leben ist. So wie mein altes, besseres Ich den Zweck hatte, mich von Angst zu befreien, so scheint das neue, bessere Ich dazu da zu sein, um mir zu zeigen, wie ich noch mehr Mitgefühl entwickeln kann – insbesondere als Ausgleich zum Mut.

Der Kreis schließt sich

Die Ironie ist, dass du dich beim Streben nach deiner eigenen Einzigartigkeit, wahrscheinlich viel normaler fühlen wirst. Du bist dann fähig, aus deiner eigenen, inneren Stärke heraus – statt aus Angst – mit den Menschen in Kontakt zu treten. Du wirst du selbst sein, wissen wer du bist und wer du sein sollst. Die Urteile anderer, ob nun positiv oder negativ, werden dich nicht davon abbringen.

Eine enge Verbindung zu anderen Menschen liegt bereits in dir. Deine Verbindung zu deinem besseren Ich ist deine Verbindung zu anderen, eine die immer da ist und einfach nur bemerkt werden muss. Diese Verbindung ist ganz anders als dreidimensionale Verbindungen, die auf Ego und Anhänglichkeiten beruht. Auf diesem Level verbindest du dich mit anderen, indem du ihren eigenen, besseren Ichs ansprichst. Und das hat oft den Effekt, dass sie aufgeweckt werden. Zudem macht es viel Spaß auf diese Weise mit anderen in Kontakt zu treten. So sollten das alle machen. Du umgehst einfach die Ängste und Kategorisierungen der Menschen und redest mit ihnen, wie mit freien Geistern.

Menschen mit hohem Bewusstsein machen das auf ganz natürliche Weise. Kategorisierungen und Titel sind irrelevant. Zwei Menschen mit hohem Bewusstsein können sich zum ersten Mal treffen und innerhalb von wenigen Minuten bereits Dinge, wie Mission, Sinn und Zweck und den Sinn des Lebens diskutieren. Es macht keinen Unterschied, ob eine Person einen Anzug trägt und die andere in zerrissenen Jeans und einem T-Shirt dasteht. So etwas bemerken sie kaum. Die Kommunikation ist reichhaltig, weil solche Menschen reden, als ob sie direkt zur Seele des anderen sprechen.

Auf der anderen Seite, wenn sich zwei Menschen mit niedrigem Bewusstseinsstand treffen, dann ist die Kommunikation oberflächig und scheu. Jeder von beiden versucht den anderen abzutasten, statt sein wahres Ich zu kommunizieren. Sie sind selbst mit ihrem eigenen, wahren Ich nicht im Einklang, weil sie sich durch ihre Egos definieren. Egoistische Kommunikation ist geprägt von Wettkampf und Angst. Solche Leute spielen dumme Spielchen miteinander – ein nutzloser Versuch sich selbst vor potentieller Ablehnung zu schützen.

Bewusste Beziehungen

Ich kann mich erinnern, dass kurz nachdem ich Erin 1994 kennengelernt hatte, wir eines Tages miteinander telefonierten und ich zu ihr sagte:

“Erin, ich mag dich sehr und ich würde mir wünschen, dass wir Freund und Freundin werden, wenn du das auch so siehst.”

Sie sagte ja, und nun sind wir schon über 12 Jahre zusammen.

Das mag nicht nach einer großen Sache aussehen, aber beachte, dass diese Konversation vor unserem ersten echten Date stattfand. Erin und ich kannten uns erst seit ein paar Wochen und waren nur Freunde. Genaugenommen, traf ich mich zu der Zeit noch mit einer anderen, als wir uns kennenlernten. Insofern war es schon sehr mutig, so etwas zu sagen, aber es hat die Dinge zwischen uns beschleunigt, denn nur ein paar Monate später sind wir zusammengezogen. Wir hätten noch für eine lange Zeit Spielchen miteinander treiben und uns daten können, aber es war weitaus leichter und schneller einfach auzuprobieren, ob wir beide das Gleiche fühlten. Das funktionierte, weil Erin und ich beide zu den Menschen gehören, die keine Spielchen miteinander spielen müssen.

Ich bin oft erstaunt, was für dumme Intrigen manche Menschen spinnen, wenn sie an einer Beziehung mit jemanden interessiert sind. Angst bringt Menschen dazu, allemöglichen Chancen zu verpassen und die Dinge zu verkomplizieren – bis zu dem Punkt, an dem es lächerlich wird. Stell dir mal vor, wie einfach Beziehungen sein könnten, wenn man die Angst weglassen würde. Wenn du jemanden magst, dann sag es ihm einfach und frag, ob er das Gleiche fühlt. Wie einfach ist das? In einer Sache von Minuten, ist geklärt, ob es in die eine oder die andere Richtung weitergeht. Wenn du die Angst hinter dir lässt, dann wird sich deine Genauigkeit im gleichen Maße erhöhen – du wirst also die Frage am Ende gar nicht mehr stellen, wenn du nicht eh schon weißt, dass du ein “Ja” zu hören bekommst. Wenn du ein Nein bekommst, dann bedeutet das nur, dass du die andere Person falsch gelesen hast, aber das ist keine große Sache. Abgewiesen zu werden, befreit deine Energie und stellt sie zur Attraktion von jemand anderem bereit.

Bewussthaftigkeit mach das Leben leichter

Wenn du bewusst danach strebst, die Person zu werden, die du sein solltest, dann wird das Leben um ein Vielfaches leichter werden. Eigentlich ist es präziser, wenn man sagt, dass das Leben noch genauso schwer ist, aber deine Möglichkeiten damit umzugehen, wachsen bis zu dem Punkt, an dem das Leben leichter zu werden scheint. Du bist stärker, deswegen fühlt sich das Gewicht leichter an.

Was ist deine Vision deines besseren Ichs? Wenn du zu dieser Person werden willst, dann nimm dir etwas Zeit ihn/sie in deiner Phantasie näher kennenzulernen. Lass dich von dieser Version inspirieren und leiten. Stell dir den Typ Person vor, der du immer sein wolltest und dann halte dir diese Vision vor Augen, bist du ihre physische Verkörperung geworden bist.