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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Wie man eine 10 wird

Besser leben auf neuen Wegen?

Eine Frage, die ich mir oft stelle, wenn ich einen Bereich meines Lebens verbessern will, ist:

“Wenn ich diesen Bereich im momentanen Zustand auf einer Skala von 1-10 bewerten müsste, mit 1 für den schlimmsten Zustand, den man sich vorstellen kann und 10 für den besten – wo wäre ich dann gerade?”

Ich habe bemerkt, dass Bereiche ganz oft zwischen 6-8 stehen bleiben, meistens bei 7. Eine 7 scheint nah an einer 9 oder 10 dran zu sein, aber oft ist die 7 nur ein lokales Maximum – man kann nicht höher kommen, wenn man weiter den selben Weg verfolgt, der einen eben bis zur 7 gebracht hat. Man hat schon einen Gipfel erreicht. Der einzige Weg, eine 9 oder 10 zu erreichen, ist, wieder herunterzuklettern (manchmal bis zur 2 oder 3) und einen neuen Weg zu gehen.

Wie oft bleiben die Leute bei einer 7 stecken und verharren dort für Jahre? Handelt es sich bei der Arbeit um eine 7? Der Gesundheit? Der Beziehung? Dem Familienleben? Dem Selbstbewusstsein? Ist es wahrscheinlich, dass man sich verbessert, wenn man einfach den Weg weitergeht, dem man schon das ganze letzte Jahr gefolgt ist?

Eine 7 ist ziemlich gut. Auf dieser Stufe ist man sich im Großen und Ganzen zufrieden. Es ist okay, nett, akzeptabel und zufriedenstellend.

Eine 7 ist über dem Durchschnitt. Wenn man sich mit den meisten Leuten vergleicht, dann ist die eigene 7 wirklich nicht schlecht. Man fühlt sich, als wäre man den anderen voraus.

Die Leute erreichen oft eine 7 und bleiben dann lange dort. Auf der 2 oder 3 weiß man, dass etwas richtig schief läuft und man wird zum Handeln gezwungen. Aber eine 7 ist wie ein warmes Bad. Es ist gemütlich und nicht bedrohlich. Mit einer 7 fühlt man sich ziemlich sicher.

Warum steckt man dort also fest? Wartet man auf die anderen? Lässt man sie aufholen?

Über die 7 hinaus zu kommen, ist schwierig. Manchmal muss man mehr Aufwand betreiben, um über die 7 hinaus zu kommen, als man benötigt hat, um sie überhaupt zu erreichen. Manche Leute würden sich beschweren, dass es zu lange dauert, um über die 7 hinaus zu kommen. Aber die Wahrheit ist, dass diese Zeit so oder so vorbei gehen wird. Selbst wenn es fünf bis zehn Jahre dauert, kann man sich in dieser Zeit auf ein höheres Niveau bringen, weil die Jahre ja eh vorbei gehen werden.

Immer wenn ich mich fühle, als wäre ich auf einer 7 hängen geblieben, halte ich inne und frage mich:

“Wie würde eine 10 aussehen?”

Das ist eine einfache Frage, aber sie hilft mir dabei, sowohl meine Definition des besten Zustandes, als auch die spezifischen Faktoren festzulegen, die einen Teil der 10 ausmachen – und wie sich eine 10 von einer 8 oder 9 unterscheidet.

Dann kann ich damit beginnen, mir einige klare Ziele zu setzen, die mich in die richtige Richtung treiben.

Vielleicht kommt man von einer 6 zu einer 7 in einer Woche oder einem Monat, vielleicht sogar an einem Tag, wenn man sich bewusst bemüht. Einige kleine Optimierungen hier und da und schon hat man es geschafft. Aber um von einer 7 auf eine 8 zu kommen, braucht man vielleicht schon ein Jahr oder zwei. Die 7 steht nicht immer in Verbindung mit der 8. Vielleicht muss man einen Weg gehen, der so aussieht: 7-6-4-2-3-4-5-6-5-4-6-7-8.

Um auf eine 8 oder höher zu kommen, muss man vielleicht seine Karriere wechseln (so war’s bei mir). Oder vielleicht muss man seine Beziehung, Ernährung, seinen Wohnort oder seine Ausbildung korrigieren.

Der 7er Falle entkommen

Man sollte nicht auf einer 7 stehen bleiben. Einfach die 10 schriftlich fixieren und sich selbst fragen, wie man geschmeidig zu dieser 10 kommt. Vielleicht ist man schon auf dem richtigen Pfad und kann den Weg, der vor einem liegt, ganz klar sehen. Meist ist das aber nicht der Fall. Vielleicht führt der Weg zur 10 durch die Dunkelheit einer 2 oder 3, vielleicht sogar einer 1. Aber schließlich wird man es durchstanden haben und einen neuen Weg finden. Und selbst wenn der neuen Weg, den man versucht, die 10 nicht erreicht, ist man immer noch besser dran, wenn man irgendeinen anderen Weg probiert, als den, der bei einer 7 und Sackgasse endet.

Es gibt aber auch Leute, die sehr an ihrer 7 hängen. Vielleicht haben sie Angst, dass man es nicht schafft, eine 8, 9 oder sogar eine 10 zu erreichen. Was, wenn man es versucht und das Beste, was man je wieder erreicht, ist eine 5? Wäre das nicht blöd? Besser den Spatz in der Hand …

Nun.. man könnte damit recht haben. Ich kenne deine Situation ja nicht, so dass ich einfach annehmen muss, dass es absolut möglich sein kann, dass, wenn man die 7 hinter sich lässt, man sie vielleicht nie wieder erreicht. Man fällt vielleicht auf eine 3 oder 4 zurück und bleibt dort hängen und springt nie wieder nach oben. Vielleicht kündigt man seinen Job und findet nie eine neue Arbeit, die so gut ist, wie die, die man zurückgelassen hat. Vielleicht gibt es unbekannte Faktoren, derer man sich nicht bewusst ist. Es ist ein Risiko.

Nun.. man könnte damit recht haben. Ich kenne deine Situation ja nicht, so dass ich einfach annehmen muss, dass es absolut möglich sein kann, dass, wenn man die 7 hinter sich lässt, man sie vielleicht nie wieder erreicht. Man fällt vielleicht auf eine 3 oder 4 zurück und bleibt dort hängen und springt nie wieder nach oben. Vielleicht kündigt man seinen Job und findet nie eine neue Arbeit, die so gut ist, wie die, die man zurückgelassen hat. Vielleicht gibt es unbekannte Faktoren, derer man sich nicht bewusst ist. Es ist ein Risiko.Was ich aber dazu sagen kann, ist das, was auf der anderen Seite liegt, wenn man die 7 einmal hinter sich gelassen hat. Ich habe es oft genug gemacht und fühle mich recht sicher, beschreiben zu können, was man wahrscheinlich finden wird.

Es gibt keine 7

Was man herausfinden wird, wenn man seine gemütliche 7 verlässt und beginnt, eine 10 zu jagen, ist, dass die 7 nie eine 7 war. Sondern nur eine 3.

Wenn man denkt, man befindet sich auf einer 7, dann ist man tatsächlich höchstens auf einer 3. Die 10 ist ganz, ganz weit weg. Man denkt, man kann sie sehen, aber die eigene Definition einer 10 basiert auf der eigenen Erfahrung einer 7 und man kann eine wahre 10 nicht mal sehen, wenn man auf einer 7 steht. Das liegt weit außerhalb der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit.

Wenn man rausgehen würde, um jemanden zu finden, der tatsächlich auf deinem Fachgebiet auf einer 10 steht und man ihn fragt, wo man sich auf einer Skala von 1 bis 10 befindet, könnte er die eigene 7 akkurat als eine 3 einschätzen.

  • Wie würde ein Olympia-Sportler deine momentane Ernährung und Sportgewohnheiten einschätzen? Ist man wirklich zu 70% auf ihrem Level?
  • Wie würde ein Pärchen, das gerade total verliebt ist, deine Beziehung einschätzen?
  • Was würde ein total motivierter, erfolgreicher Mensch über deine Karriere sagen?

Ist die eigene 7 wirklich eine 7? Oder nur eine 3?

Eine immer währende 7 heißt, dass es der falsche Weg ist

Die zweite Entdeckung, die ich gemacht habe, ist die, dass wenn man auf einer 7 feststeckt, dann nutzt man sowieso die falschen Beurteilungskriterien. Wenn man den momentanen Status einschätzt, dann schätzt man ein, wo auf dem Weg man sich befindet. Was man aber bewerten sollte, ist der Weg an sich.

Wie sieht dein Weg momentan aus? Wie klar ist er? Wo wird er einen in fünf bis zehn Jahren hinführen? Wie würde man seinen Weg bewerten, wenn man ihn ohne zeitliche Grenzen betrachtet?

Wie schätzt du z.B. deinen Weg hinsichtlich deiner Gesundheit ein? Verbessert oder verschlechtert sich deine Gesundheit? Machen dich die momentanen Sport- und Ernährungsgewohnheiten stärker, fitter und krankheitsresistenter oder wirst du schwächer und kränker? Auf welchem Weg bist du?

Wenn man sich über seinen Weg Gedanken macht und nicht nur um die eigene, momentane Position, dann wird man sich viel bewusster drüber, wo man sich auf einer Skala von 1-10 befindet. Das Leben ist eine Reise, kein Ziel. Wenn man auf einer 7 festsitzt, dann ist der Weg das Problem – der Weg ist tatsächlich eine 3, weil er dich nicht voran bringt. Du stagnierst.

In physikalischen Termini meine ich damit, dass nicht deine Position wichtig ist, sondern die Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeit ist ein Vektor, der eine Richtung und Tempo hat. Wohin man sich bewegt und wie schnell, ist viel wichtiger, als wo man sich befindet. Wenn man seine Position als eine 7 beschreibt, aber das Tempo fast null ist (das heißt, die Situation ist festgefahren oder stagniert), dann ist dein Tempo wahrscheinlich nicht größer als 3. Man ist so schnell wie eine Schnecke. Und wenn man sich so langsam bewegt, dann kann man seine Trägheit nicht überwinden, so dass man nur Kreise um seine momentane Position dreht – die Richtung des Geschwindigkeits-Vektors wird sich ändern.

Man fühlt sich unkonzentriert und selbst, wenn man es schafft, seinen Fokus zu finden, dann wird es nicht von Dauer sein. Wenn man versucht, etwas zu verändern, wird dich deine Umgebung einfach zum alten Status Quo zurück zerren. Man wird seine Geschwindigkeit nicht verändern können. Die Dinge ändern sich nur, wenn eine Kraft von außen auf dich einwirkt und eine radikale Veränderung im Geschwindigkeits-Vektor hervorruft – wenn du deine Arbeit verliert, verlassen wirst, eine ernsthafte Krankheit erleidest, usw.

Wie entkommt man also einer festgefahrenen Situation (außer darauf zu warten, dass man gerettet wird)? Man beschleunigt – absichtlich.

Vielleicht bekommt man ein paar Kratzer und blaue Flecken auf dem Weg. Vielleicht versaut man seine momentane Beziehung, seine Karriere oder seinen Lebensstil. Man wird nicht sehr weit sehen können, weil sich alles schneller bewegt, als man es gewöhnt ist. Manchmal muss man einfach einen Tag nach dem anderen leben und die beste Richtung erraten. Vielleicht fährt man ab und an gegen eine Wand.

Die blauen Flecken gehören zum Prozess. Aber sich weiter zu bewegen, ist viel besser als stecken zu bleiben. Die Wunden werden heilen und ich habe bisher immer einen aufregenden, neuen Weg zum Erkunden gefunden. Das ist auf jeden Fall besser als einen langsamen Tod zu sterben, während man darauf wartet, dass die Geier einen holen kommen.

Je öfter man seinen Weg wechselt, desto einfacher wird es. Es wird nicht mehr so weh tun. Das Schmerzlevel wird das gleiche sein, aber man wird ebenso stärker werden und besser damit umgehen können.

Wenn man jedoch niemals seinen Weg wechselt, dann wird man mit jedem vergangenen Jahr schwächer werden. Ein kleiner Dorn wird genug sein, um dich zurück in die Behaglichkeit der alten Umstände fliehen zu lassen. Man wird zu ängstlich sein, um ein bisschen vom Weg abzukommen. Die einzige Hoffnung wird sein, dass ein anderer Abenteurer vorbei kommt und dir einen Weg da raus zeigt oder man durch einen externes Ereignis auf einen anderen Weg gezwungen wird. Aber meist passiert das nie oder unter viel unschöneren Zuständen, als wenn man den Wechsel durch bewusste Handlung selbst hervorgerufen hätte.

Du bedienst das Gaspedal

Wenn man einen neuen Weg beschreiten will, dann muss man es selbst initiieren. Nicht ich. Nicht dein Chef. Nicht dein Lebenspartner. Kein göttliches Wesen. Du musst es selber machen. Wenn du auf einer 7 feststeckst, dann bist du dort, weil du langsamer geworden bist.

Wenn man weiß, dass der eigene Weg falsch ist, dann weiß man auch, dass man da runter muss. Man sollte sich Zeit nehmen um die bestmögliche Richtung herauszufinden, die man als nächstes einschlagen will – und dann losgehen. Man kann mit kleinen Schritten anfangen, wenn es sein muss. Und einen Schutzanzug anziehen. Hauptsache, man legt los. Wenn man feststeckt, dann ist fast jeder Pfad besser als stecken zu bleiben.

Lass dir eine kleine Veränderung einfallen, die dich einen neuen Weg einschlagen lässt – und fang gleich heute damit an. Nicht warten. Nicht verschieben. Nicht an der 7 nuckeln, sondern sich entwöhnen und losgehen. Vielleicht findet man die 9 oder 10 nicht, aber man kann den Weg zur 9 und 10 finden.

Es gibt keine 10

Wenn man dann schließlich seiner 10 näher kommt, wird man entdecken, dass es sie nicht gibt; zumindest nicht im Sinne einer Fixposition. Das ist nur eine Illusion. Man erreicht vielleicht die 10, die man definiert hat, als man eine 7 war, aber wenn man einmal so weit ist, wird man eine weitere 10 in der Ferne sehen. Es wird immer wieder einen neuen Topf voll Gold ganz weit weg geben.

Die echte 10 ist keine Position. Sie ist der Weg selbst. Menschen sind keine Rinder – wir sind nicht dazu gemacht, uns niederzulassen und ein domestiziertes Leben zu leben. Wir müssen die Dinge immer wieder aufwühlen, um weiter zu lernen und zu wachsen.

Egal, welche feste Position man im Leben erreicht, sie wird nie erfüllend sein. Erfüllung erreicht man durch Handlungen, nicht durch eine Position.

Wenn man wirklich tiefe Erfüllung erfahren will, muss man immer wieder etwas tun. Das kann physisch, mental oder sozial sein – sogar spirituell.

Die einzige Sicherheit liegt im Handeln. Keine feste Position ist jemals sicher. Sicherheit erwächst aus dynamischen Handeln und dem Wissen, das egal, was passiert, man immer wieder etwas verändern kann.

Die wahre 10 ist, sein Bestes zu geben. Und das kannst du niemals erreichen, wenn du still stehst. Also: Beweg dich!