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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Wie man einen Quantensprung macht

Seit 1992 beschäftige ich mit leidenschaftlich mit persönlichem Wachstum. Ich habe Seminare besucht, Audio-Programme angehört und Hunderte von Büchern aus diesem Bereich gelesen. Ich habe locker mehrere Tausend Dollar ausgegeben und Tausende Stunden investiert. Und eine Sache, die ich nach dem ganzen Aufwand, jedem sagen kann, ist, dass persönliches Wachstum sehr, sehr schwer ist.

Viele Bücher, Audio-Programme und Selbsthilfe-Gurus fördern die Quick-Fix-Mentalität (angeblich schnelle, leichte Lösungen).

“Lies dieses Buch und all deine Zeitmanagementprobleme werden verschwinden.”

“Besuch’ dieses Seminar und du bist der nächste Self-Made-Millionär.”

Diese Art von Marketing ist unglücklich, weil die meisten Menschen, die diese Produkte kaufen, nur bescheidene Resultate damit erzielen werden. Dann setzt Enttäuschung und Ernüchterung ein. Einige Leute denken, dass der Fehler bei ihnen liegt, wenn sie die unrealistischen Erwartungen nicht erfüllen können.

“Vielleicht habe ich eine genetische Disposition für Faulheit.”

Andere schließen daraus, dass dieser ganze Bereich der Persönlichkeitsentwicklung an sich nur Schwindel ist.

“[Hier Guru-Namen einfügen] macht das nur wegen dem Geld – keine seiner/ihrer Ideen funktioniert wirklich.”

Persönliches Wachstum in Quantensprüngen

Ich werde es noch einmal sagen. Persönliches Wachstum ist sehr, sehr schwer. Wenn man denkt, dass man einfach ein Buch oder einen Artikel über Zeitmanagement liest und dann schlagartig Aufschieberei und Unordnung aus seinem Leben verbannt hat – dann ist das eine extrem unrealistische Erwartung. Auch wenn ein Buch potentiell zu einer großen Veränderung führen kann, werden die meisten das aber nicht tun. Wenn man eine große Veränderung in seinem Leben erfährt, dann ist es vermutlich eine lange Kette von Ereignissen, von denen das Lesen eines bestimmten Buches nur ein kleiner, aber vielleicht kritischer, Teil war.

Persönliche Wachstumserfahrungen treten oft in der Form von Quantensprüngen auf – eine starke und radikale Veränderung von einer Mentalität zur nächsten. Es gibt eine Anzahl kleiner Schritte, die zu diesem Sprung führen, aber an einem bestimmten Punkt gibt es eine große Veränderung und es passiert schlagartig. Man geht zur Arbeit und stellt plötzlich fest, dass man seinen Job kündigen wird; schon bevor man es seinem Chef sagt, weiß man, dass man sich sicher ist und es kein Zurück mehr gibt.

Man entscheidet sich seinen Freund oder seine Freundin zu heiraten, nachdem man seit Jahren zusammen ist. Man entscheidet sich, dass man mit dem Rauchen fertig ist und hört für den Rest seines Lebens auf. Diese Entscheidungen können in einer läppischen Sekunde passieren – ein Moment der Klarheit trifft einen urplötzlich und man weiß, was man zu tun hat. Ein Quantensprung passiert und von diesem Moment an, ist man nie wieder der Selbe. Einige dieser Sprünge erscheinen mehr schrittweise als andere, aber praktisch alle von ihnen können zu einem Moment der Entscheidung zurückverfolgt werden. An einem Punkt hat man die Entscheidung getroffen, sich zu ändern. Und auch bevor sich diese Veränderung in der physischen Realität manifestiert, weiß man sofort, dass man nicht mehr der Selbe ist.

Viel gleichförmige Arbeit wird benötigt

Es ist selten, dass das Lesen eines einzelnen Buches einen Quantensprung produzieren wird. Quantensprünge erfordern einen große Menge an gleichbleibendem Aufwand und Energie. Wenn man sich entscheidet, seinen Job zu kündigen oder eine Beziehung zu beenden oder in eine neue Stadt zu ziehen, dann kann das das Ergebnis von Monaten oder Jahren der Unzufriedenheit sein. Es kann auch passieren, nachdem man viel Zeit damit verbracht hat, sich in schönen Farben auszumalen, wie das Leben nach der Veränderung sein wird. Sowohl positive als auch negative Faktoren können helfen, einen Quantensprung hervorzurufen.

Meistens investieren die Leute, die persönliches Wachstum anstreben, einfach nicht genug Zeit und Energie in eine Richtung, um einen Quantensprung zu erreichen. Vielleicht hat man ein Buch darüber gelesen, wie man sich organisiert, und während man es liest, bringt einen die positive Energie, die man mitnimmt, näher an einen Quantensprung heran. Man fühlte zu der Zeit eigentlich sicher, dass das funktionieren wird. Aber dann hat man das Buch beendet (oder wird abgelenkt und liest es nicht zu Ende) und der Einfluss schwindet nach und nach. Man hat nie den Quantensprung erreicht, der es erlaubt hätte, die Ordnung im Leben auf einen neue Ebene zu heben. Über einen Zeitraum von Tagen oder Wochen, wird sich das alte Verhaltensmuster wieder einschleichen. Klingt das vertraut?

Aber es war nicht das Buch oder die Ideen an sich, die nicht funktioniert haben. Das Problem war, dass man nicht genug nachhaltige Energie in die gleiche Richtung investiert hat, um den Quantensprung zu schaffen. Man hat nie den Punkt ohne Wiederkehr erreicht. Ein einzelnes Buch zu lesen war nur ein kleiner, kurzfristiger Stupser – wenn auch in die richtige Richtung.

Um eine Rakete von der Erde Richtung Weltall zu schiessen, muss die Rakete eine ausreichende Menge beständiger Kraft einsetzen, um die Anziehungskraft der Erde zu überwinden. Wenn die Antriebe der Rakete zu früh erlöschen, dann wird die Rakete zurück auf die Erde stürzen. So wie es eine riesige Menge beständiger Kraft benötigt, um eine Rakete in den Orbit zu schicken, so muss man realisieren, dass es bestimmte Lebensbereiche gibt, wo man eine sehr große Kraft benötigt, um sich in einen höheren Bewusstseinszustand zu befördern. Kleine Anstrengungen über einen langen Zeitraum bringen einem eher nichts. Man kann ein Buch über Zeitmanagement pro Jahr lesen und sich kein Stück verbessern.

Also wie funktioniert es nun? Wie schafft man einen Quantensprung? Man muss einen stetigen Aufwand in die bestimmte Richtung ausüben, in die man wachsen will und diesen beständig beibehalten, bis man den Quantensprung erreicht. Wenn man kurz vorher stoppt, dann wird man höchstwahrscheinlich wieder dahin zurückfallen, wo man angefangen hat. Als Allererstes, wenn man einen neuen Quantensprung in Angriff nehmen will, muss man sich verpflichten, den nötigen Aufwand solange aufrecht zu erhalten, bis man es geschafft hat.

Das ist der Grund, warum ich sage, dass persönliches Wachstum sehr schwer ist. Einen Quantensprung zu schaffen, ist harte Arbeit. Es erfordert eine große Kraft und beständigen Aufwand – und man darf nicht nachlassen, bis man den Sprung erreicht. Wenn man sich zu lange davon ablenken lässt, dann muss man von vorne beginnen.

Dafür kann man aber auch eine kleine Pause einlegen, sobald man den Sprung hinter sich hat. Man hat einen höheren Bewusstseinszustand erreicht und wird dabei bleiben, so wie ein Satellit im Orbit auch im Orbit bleiben wird. Okay, der Orbit wird langsam abnehmen, aber das passiert über einen langen Zeitraum, und es ist nur eine minimale Investition an Energie nötig, um den Kurs zu korrigieren und den neuen Orbit ewig beizubehalten. Das Rauchen aufzugeben, kann sehr schwer sein. Aber wenn man seit vielen Jahren Nichtraucher ist, dann benötigt es bei weitem nicht so viel Mühe auch Nichtraucher zu bleiben – eventuell muss man zwischendrin ein paar Anpassungen vornehmen, aber die sind nur geringfügig, verglichen mit dem anfänglichen Aufwand, um erstmal aufzuhören.

Ein praktisches Beispiel

Angenommen man möchte abnehmen. Man liest ein Buch darüber und ist motiviert abzunehmen. Man wird Mitglied in einem Fitness-Center und beginnt mit dem Training. Nach ein paar Wochen hat man 5 Pfund verloren. Aber dann hat man auf Arbeit viel zu tun und nach und nach hört man auf ins Fitness-Center zu gehen. Crash! Man nimmt wieder alles zu – und noch ein paar Pfund mehr. Ein paar Monate später, versucht man es nochmal. Man wird inspiriert und kauft neue Trainingsgeräte. Wieder benutzt man sie für mehrere Wochen und verliert etwas Gewicht, und wieder passiert etwas, was von der neuen Gewohnheit ablenkt und man nimmt wieder alles zu. Das Jahr darauf tritt man einer Organisation für Abnehmwillige bei, eignet sich deren Ernährungsplan an und geht zu den wöchentlichen Treffen. Aber nach etwa ein Dutzend Sitzungen weicht man wieder ab und nimmt wieder das Gewicht zu, das man verloren hatte. Man hat eine Menge Zeit, Geld und Energie in dieses Ziel investiert, aber es war nicht genug, um einen Quantensprung machen.

Also wie verfolgt man so ein Ziel bis zum Quantensprung?

Die exakte Vorgehensweise für dieses Ziel ist natürlich jedem selbst überlassen. Aber hier sind ein paar Ideen, die einem dabei helfen können den Quantensprung zu schaffen:

  • Sich in das Ziel vertiefen
    Man wird sich über das exakte Ziel klar und schreibt es mit eigenen Worten auf. Das Ziel hängt man dorthin, wo man es jeden Tag sehen wird – ich verwende es oft als Text für den Bildschirmschoner oder schreibe es auf mein Whiteboard.
  • Sich informieren, was für das Ziel alles nötig ist
    Und ich meine wirklich informieren; bis zu dem Punkt an dem man ein Experte wird. Man muss seinen Kopf mit Wissen füllen, bis man es geschafft hat – fortwährend. Nicht nur ein Buch zum Thema lesen. 10 lesen. Und dann 10 weitere. Und dann nochmal 10. Audio-Programme hören. Mit Experten reden. Einfach niemals mit dem Selbststudium aufhören.
  • Die Umgebung verändern
    …um das Ziel besser zu unterstützen. Dieser Punkt wurde bereits in einem früheren Artikel namens Umgebungsbezogene Unterstützung der eigenen Ziele näher erforscht.
  • Bewusst die Leute verändern, mit denen man die meiste Zeit verbringt
    …so dass die Ziele von denen um einen herum, auch unterstützt werden. Auch dazu gibt es schon einen detaillierten Artikel Bringen die Freunde einen voran oder halten sie einen zurück?

Ein Grund, warum Leute Quantensprünge nicht schaffen, ist, dass sie nur einen dürftigen Aufwand in diesen 4 Bereichen machen. Sie werden sich nicht wirklich klar darüber, was sie wollen und halten sich ihre Ziele nicht täglich vor Augen. Sie investieren nur ein paar Stunden ins Studium – anstatt ein paar hundert. Sie verändern ihre Umgebung nicht so, dass sie ihre neue Identität unterstützt. Und sie halten weiterhin an Leuten fest, die sie wiederum zurückhalten. Jahr für Jahr bleiben sie in wenig erfüllenden Karrieren, ungesunden Körpern, stagnierenden Beziehungen und inkongruenten Glaubenssystemen.

In meinem eigenen Leben habe ich viele Sprünge erlebt:

  • Angestellter → Freier Mitarbeiter → Entwickler für direkt verkaufte Spiele → Entwickler für Shareware-Spiele → Spiele-Publisher → Redner/Autor (läuft gerade)
  • SAD (Standard American Diet) → Vegetarier → Veganer (mit einigen Anleihen von der Rohkost, alkalischen Ernährung, Vollwertkost und Makrobiotik)
  • Single → Rendezvous → Zusammenleben → Verlobt → Verheiratet → Vater eines Kindes → Vater zweier Kinder
  • Katholizismus → Atheismus → Agnostik → diverses New Age Zeug → ? → Buddhismus → ? → Bajoranische Wurmloch-Aliens → ? → Objektivismus → ? → ? (Die ? sind Glaubenssysteme können nicht wirklich benannt werden)

Keine dieser Veränderungen passiert zufällig; jeder Sprung war ein bewusst gewählter Schritt… wobei.. alle außer “Vater zweier Kinder” – Uuups! ;)

Wenn ich nie einen dieser Quantensprünge erlebt hätte, dann wäre ich ein angestellter Katholik, der sich typisch amerikanisch ernährt. Und das ist nicht unbedingt irgendwie besser oder schlechter als meine aktuelle Situation (Okay, die Ernährung ist deutlich besser). Ich denke auch nicht, dass es irgendein bestimmtes Ziel gibt, das es zu erreichen gilt. Was mir wichtig ist, ist die Erfahrung auf dem Weg dorthin: Wie es ist als Single UND als Ehemann UND als Vater, viel Erfahrung mit verschiedenen Glaubenssystemen, in einem Unternehmen gearbeitet UND ein Unternehmen selber geführt zu haben. In manchen Bereichen sieht man einen logischen Fortschritt – zum Beispiel habe ich immer mehr zu Karrieren gewechselt, die mir mehr und mehr Freiheit gegeben und meine Fähigkeit, etwas Gutes zu tun, verstärkt haben. Aber in anderen Bereichen habe ich viel Erfahrung aus verschiedenen Blickwinkeln gesammelt, die in keiner bestimmten Reihenfolge zueinander standen, wie z.B. bei meinem spirituellen Wachstum.

Ja, es bedeutet eine Menge harter Arbeit, um einen Quantensprung in einem dieser Bereiche zu schaffen, aber ich denke, die Alternative, zu stagnieren, ist schlimmer. Man kann Quick-Fix-Methoden verwenden und immer wieder auf die Nase fallen. Oder man akzeptiert, dass die angestrebte Veränderung hart werden wird und das es vielleicht Jahre dauern wird – aber das wird es wert sein. Und das Beste daran, wenn man es einmal durch ein paar Quantensprünge geschafft hat, dann lernt man den Prozess zu lieben. Es ist zutiefst befriedigend, auf sein früheres Selbst zurückzuschauen und zu sehen, wieviel man gewachsen ist.