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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Wie man in 20 Minuten
den Sinn und Zweck seines Lebens entdeckt

Wie entdeckt man nur den Sinn und Zweck seines Lebens? Ich rede nicht von der Arbeit, den täglichen Verantwortlichkeiten oder irgendwelchen Langzeitzielen. Ich meine den wahren Grund, warum man überhaupt hier auf der Welt ist – der eigentliche Grund für die eigene Existenz.

Vielleicht ist man eine eher nihilistische Person, die nicht daran glaubt, dass man selbst einen Zweck hat und dass das Leben keine Bedeutung hat. Völlig egal. Nicht zu glauben, dass man einen Sinn und Zweck hat, wird einen nicht davon abhalten, ihn trotzdem zu entdecken, genauso wenig wie ein Nicht-Glauben an die Schwerkraft einen davon abhält, zu fallen. Das einzige, wozu ein Mangel an Glaube führen wird, ist, dass man länger braucht. Wenn man also zu diesen Leuten gehört, tausche man die Zahl 20 im Titel des Artikels gegen eine 40 (oder 60, wenn man wirklich stur ist). Wenn man aber sowieso nicht daran glaubt, dass das eigene Leben einen Sinn und Zweck hat, dann wird man mir wohl ganz einfach nicht glauben. Aber so oder so, was riskiert man schon, wenn man einfach mal eine Stunde investiert, sicherheitshalber?

Zur Einführung in die Übung eine Geschichte über Bruce Lee. Ein Meister der Martial-Arts fragte Bruce, ob er ihm nicht alles beibringen könne, was er darüber wisse. Bruce hielt zwei Tassen, beide mit Flüssigkeit gefüllt, hoch.

“Die erste Tasse,”

sagte Bruce

“steht für dein ganzes Wissen über die Martial-Arts. Die zweite steht für mein ganzes Wissen über die Martial-Arts. Wenn du nun deine Tasse mit meinem Wissen füllen willst, musst du zuerst deine Tasse mit deinem Wissen entleeren.”

Wenn man also den wahren Sinn und Zweck seines Lebens entdecken will, muss man zunächst seine eigenen erlernten Ansichten über falsche Sinnhaftigkeiten und Zweckmöglichkeiten des Lebens über Bord werfen (auch die Idee, dass man möglicherweise überhaupt gar keinen Sinn oder Zweck haben könnte).

Wie entdeckt man also nun den Sinn des Lebens? Es gibt viele, teils aufwendige Möglichkeiten, aber hier ist eine der Einfachsten. Je offener man für diesen Prozess ist und je mehr man daran glaubt, dass er funktioniert, desto schneller wird er tatsächlich Ergebnisse bringen. Nicht offen zu sein oder Zweifel zu haben oder zu denken, dass es wirklich eine ganz idiotische und bedeutungslose Methode ist, Zeit zu vergeuden, wird sie nicht davon abhalten zu funktionieren, so lange man dran bleibt – wie schon gesagt, man wird nur mehr Zeit benötigen.

Das hier muss man tun:

  1. Man nehme ein leeres Blatt Papier oder öffne ein Schreibprogramm (Ich bevorzuge das letztere, weil es schneller geht.)
  2. Man schreibe darüber: “Was ist mein wahrer Sinn und Zweck im Leben?”
  3. Man schreibe die Antwort. Dabei ist jede Antwort gut, die einem in den Sinn kommt. Es müssen keine vollständigen Sätze geschrieben werden. Stichpunkte reichen aus.
  4. Man wiederhole Schritt 3 so lange bis man eine Antwort schreibt, die einen zum Weinen bringt. Das ist der eigene Sinn und Zweck.

Das war’s. Es ist ganz egal, ob man ein Berater, Ingenieur oder ein Bodybuilder ist. Für einige wird diese Übung absoluten Sinn ergeben. Anderen wird sie vollkommen dumm erscheinen. Normalerweise benötigt man 15 bis 20 Minuten, um seinen Kopf frei zu bekommen von all dem Wirrwarr der sozialen Konditionierung über den Zweck des Lebens. Die falschen Antworten werden aus dem Gedächtnis, aus der Erinnerung kommen. Wenn dann die wahre Antwort erscheint, wird es sich anfühlen, als kommt sie von einer völlig anderen Quelle.

Für solche, die in einem wenig bewussten Lebensstil verwurzelt sind, wird es länger dauern, alle falschen Antworten herauszubekommen, wahrscheinlich auch länger als eine Stunde. Wenn man aber nicht locker lässt, wird man nach 100 oder 200, vielleicht sogar 500 Antworten eine solche bekommen, die Emotionen aufwallen lässt, die Antwort, die das Eis bricht. Wenn man dies noch nie getan hat, wird es einem albern erscheinen. Dann lässt man es eben albern erscheinen und tut es trotzdem.

In diesem Prozess werden einige der Antworten sehr ähnlich erscheinen. Man wird vielleicht vorangegangene Antworten mehrfach auflisten. Dann wird man vielleicht wieder an einem anderen Punkt weiter machen und 10 bis 20 Antworten zu einen völlig anderen Thema aufschreiben. Das ist aber gut so. Man kann alles aufschreiben, was einen in den Sinn kommt so lange wie man weiter schreibt.

An einem bestimmten Punkt während der Übung (meist nach 50 bis 100 Antworten), wird man eventuell aufhören wollen, weil man das Sich-Annähern nicht mehr ertragen kann. Man könnte den Drang verspüren, aufzustehen, eine Ausrede zu finden und etwas anderes zu tun. Das ist normal. Man sollte versuchen, den Widerstand zu überwinden und einfach weiter schreiben. Das Gefühl des Widerstands wird schließlich vorbeigehen.

Es kann sein, dass man auch ein paar Antworten findet, die einem nur einen kleineren Gefühlsausbruch geben, aber einen nicht gleich zum Weinen bringen – diese sind nur noch ein kleines Stück entfernt von der Wahrheit. Diese Antworten sollte man hervorheben, während man weiter macht, so dass man auf sie zurückgreifen und neue Varianten kreieren kann. Jede dieser Antworten ist ein Teil der großen Wahrheit, aber allein stehend sind sie nicht komplett. Wenn man diese Art Antworten bekommt, heißt dass, das es wärmer wird. Einfach weiter machen.

Es ist wichtig, diesen Prozess allein zu beschreiten ohne unterbrochen zu werden. Wenn man ein Nihilist ist, kann man auch mit der Antwort anfangen:

“Ich habe keinen Sinn und Zweck”

oder

“Das Leben ist bedeutungslos”

und ab da weiter machen. Wenn man dann dran bleibt, wird man sich doch früher oder später dem wahren Zweck seines Lebens nähern.

Als ich diese Übung machte, brauchte ich ungefähr 25 Minuten dafür und erreichte meine endgültige Antwort bei Schritt 106. Teile der Antwort erschienen bei Schritt 17, 39 und 53. Der Großteil fügte sich bei Schritt 100-106 zusammen. Ich fühlte einen Widerstand bei den Schritten 55-60 (Ich wäre gern aufgestanden, hätte gern etwas anderes gemacht, meinte, dass ich den Prozess nicht zu Ende führen könne, fühlte mich ungeduldig und sogar irritiert). Bei Schritt 80 machte ich eine 2-Minuten-Pause um meine Augen zu schließen, mich zu entspannen, mein Gedanken zu ordnen und um mich auf die Absicht zu fokussieren, dass die Antwort zu mir kommt. Diese Pause war hilfreich, da die Antworten danach langsam klarer wurden.

Hier ist meine endgültige Antwort:

“Bewusst und mutig zu leben,
Liebe und Mitgefühl zu empfinden,
die Möglichkeit, Großartiges zu vollbringen in Anderen zu erwecken und
diese Welt in Frieden zu verlassen.”

Wenn man seine eigene einzigartige Antwort auf die Frage findet, warum man hier ist, wird man eine tiefe Resonanz spüren. Die Worte werden erscheinen, als hätten sie eine besondere Energie und man wird diese Energie spüren, wann immer man sie liest. Seinen eigenen Sinn und Zweck zu entdecken ist aber der einfache Teil. Der schwere Teil ist, ihn täglich im Kopf zu behalten und an sich selbst zu arbeiten, bis man dieser Sinn und Zweck wird.

Wenn man geneigt ist, zu fragen, warum diese kleine Übung funktioniert, sollte man die Frage beiseite schieben, bis man sie erfolgreich abgeschlossen hat. Wenn man sie dann einmal geschafft hat, hat man wahrscheinlich seine eigene Antwort, warum sie funktioniert. Wahrscheinlich kann man 10 verschiedene Menschen fragen (die diese Übung erfolgreich absolviert haben), warum die Übung funktioniert und man wird 10 verschiedene Antworten erhalten, jede durch individuelle Vorstellungen und Überzeugungen beeinflusst und jede wird ein eigenes Abbild der Wahrheit enthalten.

Ganz offensichtlich ist, dass dieser Prozess nicht funktionieren wird, wenn man aufhört bevor man sich der richtigen Antwort genähert hat. Ich vermute und schätze, dass 80-90% der Menschen diese Annäherung in weniger als einer Stunde erreichen können. Wenn man wirklich fest in seinen Ansichten verankert ist und dem Prozess gut widerstehen kann, wird es vielleicht 5 Sitzungen und 3 Stunden dauern, aber ich vermute, dass solche Leute wohl einfach eher aufhören (so in den ersten 15 Minuten) oder es einfach gar nicht versuchen werden. Wenn man aber von diesem Blog angezogen wird (und noch nicht geneigt ist, es aus seinem Leben zu werfen), dann ist es unwahrscheinlich, dass man zu dieser Gruppe gehört.

Man sollte es versuchen! Man wird wenigstens ein oder zwei Dinge lernen: den eigenen wirklichen Sinn und Zweck im Leben – oder – dass man diesen Blog nicht mehr lesen sollte. ;)