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Wie man Prokrastination überwindet

Wer Dinge aufschiebt, hat meist seine Gründe dafür – aber was tun?

Prokrastination – die Gewohnheit, Aufgaben auf die allerletzte Minute aufzuschieben – kann ein Problem sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben sein. Nebeneffekte sind etwa verpasste Möglichkeiten, fieberhafte Arbeitsstunden, Stress, Überforderung, dass man sich ärgert und sich schuldig fühlt.

Dieser Artikel wird die grundlegenden Ursachen für Prokrastination erläutern und einem mehrere Möglichkeiten an die Hand geben, mit deren Hilfe man die Prokrastination bzw. das Aufschiebeverhalten wältigen kann.

Das Verhaltensmuster der Prokrastination kann durch verschiedene Dinge ausgelöst werden, man wird also nicht immer aus dem selben Grund etwas aufschieben. Manchmal schiebt man auf, weil man mit den Dingen überfordert ist und das Aufschieben eine Fluchtmöglichkeit bietet. Ein anderes Mal fühlt man sich müde und faul und kann sich einfach nicht aufraffen.

Als Erstes werden im Artikel die Gründe für Prokrastination betrachtet, sowie schlaue Wege, darauf zu reagieren.

1. Stress

Wenn man gestresst, besorgt oder ängstlich ist, ist es schwierig, produktiv zu arbeiten. In manchen Situationen ist die Prokrastination eine Bewältigungsstrategie, um den Stress unter Kontrolle zu halten.

Eine clevere Lösung ist es, den Stressumfang im Leben zu reduzieren – wenn das möglich ist – so dass man mehr Zeit mit der Arbeit verbringen kann, weil man es gern möchte, nicht weil man muss.
Sich mehr Zeit zum Spielen zu nehmen, ist einer der einfachsten Wege um Stress zu reduzieren.

Warum nicht gleich? von Dr. Neil Fiore

Englisches Original

Im Buch Warum nicht gleich? schlägt Dr. Neil Fiore vor, dass es ein effektiver Weg zur Prokrastinationsbewältigung sein kann, wenn man sich Zeit nimmt, in der man garantiert Spaß hat. Man sollte schon vorher entscheiden, welche Zeitabschnitte man in der Woche der Familie, der Unterhaltung, dem Sport, sozialen Aktivitäten und Hobbies zukommen lässt. Dann plant man seine Arbeitsstunden für die Zeit, die übrig bleibt. Das wird den Drang, aufzuschieben verringern, da die Freizeit nicht durch die Arbeit beeinträchtigt wird, so dass man die Arbeit nicht aufschieben muss, um zu entspannen und das Leben genießen zu können.

Ich warne jedoch davor, diese Strategie zu oft zu nutzen, da die Arbeit normalerweise so angenehm sein sollte, dass man zumindest motiviert ist, sie zu machen. Wenn man durch die tägliche Arbeit nicht inspiriert wird, sollte man sich eingestehen, dass man die falsche Karriere gewählt hat und eine neue Richtung auswählen sollte, die einen wirklich inspiriert.

Benjamin Franklin empfahl als optimale Strategie für höchste Produktivität, den Tag in 1/3 Arbeit, 1/3 Spiel und 1/3 Ruhezeit aufzuteilen. Der Vorschlag ist also wieder, dass man Zeit für Freizeitaktivitäten einräumt. Die Arbeitszeit und die Spielzeit sollten gleich wichtig sein, so dass eine die andere nicht negativ beeinflusst.

Ich bin am produktivsten, wenn ich mir reichlich Zeit zum Spielen lasse. Es hilft mir dabei, übermäßigen Stress abzubauen, das Leben öfter zu genießen und mein Arbeitsleben ist besser, wenn ich glücklicher bin.

Ich habe auch ein entspanntes Arbeitsumfeld, dass mir dabei hilft, Stress zu reduzieren. In meinem Büro stehen gesunde Pflanzen, ein Springbrunnen und einige Duftkerzen. Oft höre ich Entspannungsmusik, wenn ich arbeite. Obwohl viel technische Ausstattung in meinem Büro steht, wirkt es entspanned. Weil ich die Zeit, die ich hier bin, genieße, kann ich einen ganzen Tag arbeiten ohne mich übermäßig gestresst oder angespannt zu fühlen, selbst wenn ich viel zu tun habe.

Für weitere Tipps, wie man seine Arbeitsumgebung entspannender gestalten kann, sollte man diesen Artikel lesen: “10 Wege, die Arbeitsumgebung entspannend zu gestalten” [Anm. d. Red. Kommt noch!]

2. Überforderung

Manchmal hat man vielleicht mehr Dinge auf seiner Liste, als man halbwegs schaffen könnte. Das kann schnell zu Überforderung führen und ironischerweise ist es jetzt noch wahrscheinlicher, dass man aufschiebt, wenn man es am Wenigsten gebrauchen kann.

Es ist, als ob das Hirn sich weigert, unter einem Plan zu arbeiten, der unzumutbar ist. In dem Fall bedeutet das, das man innehalten, seine wahren Prioritäten neu überdenken, und seinen Plan vereinfachen muss.

Um Überforderung durch einen zu straffen Plan abzustellen, bieten sich mehrere Optionen an:

  • Eliminierung
  • Delegation und
  • Verhandlung

Erstens sollte man seine To-Dos durchgehen und so viel wie möglich rausschmeißen. Man wirft alles raus, was nicht wirklich wichtig ist. Das sollte ein Kinderspiel sein, aber es ist erstaunlich, wie schlecht die Leute es tatsächlich umsetzen. Die Leute werfen Sport raus während sie ausreichend Zeit für Fernsehen lassen, obwohl der Sport sie stärkt und das Fernsehen sie auslaugt.

Wenn man Dinge rauswirft, sollte man ehrlich sein und die Wertlosesten zuerst rausschmeißen und diejenigen behalten, die einem wirklich etwas bringen.

Zweitens sollte man so oft es geht Aufgaben an andere delegieren. Wenn es nötig ist, dann sollte man um Hilfe bitten.

Und drittens sollte man mit anderen verhandeln, dass sie sich für wichtige Dinge so viel Zeit wie möglich nehmen. Wenn man eine Arbeit hat, die einen mit unverschämt viel Arbeit überhäuft, sollte man sich überlegen, ob es sich wirklich lohnt, in dieser Situation zu bleiben.

Ich persönlich würde keinen Job machen, der mich dazu zwingt, mich bis zur totalen Überforderung zu überarbeiten; das ist sowohl für Arbeitgeber und als auch für Arbeitnehmer kontraproduktiv. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Menschen, die auf einem Gebiet Höchstleistungen bringen, auch diejenigen sind, die sich mehr Freizeit nehmen und weniger Stunden arbeiten als Workaholics.

Menschen mit Höchstleistungen schaffen mehr in weniger Zeit, indem sie frisch, entspannt und kreativ sind. Indem man seine Arbeitszeit als kostbare Ressource behandelt – und nicht wie ein unkontrollierbares Monster, das jeden andere Lebensbereich verschlingen kann – wird man ausgeglichener, konzentrierter und effektiver.

Es ist bewiesen, dass die optimale Arbeitswoche für die meisten Menschen zwischen 40-45 Stunden liegt. Mehr Stunden als das zu arbeiten, hat tatsächlich einen solchen nachteiligen Effekt auf Produktivität und Motivation, dass weniger echte Arbeit erledigt wird. Das trifft besonders auf kreative Arbeit aus dem Informationszeitalter zu.

Wie effizient arbeitet man wirklich?

Man sollte trotzdem nicht einfach glauben, was ich sage, sondern es selbst testen. Vor vielen Jahren habe ich ein Experiment unternommen, um zu testen, wie effizient ich arbeitete. Ich habe meine Effizienz-Rate als Anzahl der Stunden pro Woche, in denen ich wichtige Arbeiten erledigte, durch die Anzahl an Stunden, die ich im Büro verbrachte, geteilt.

Beim ersten Mal war ich geschockt, da ich nur 15 Stunden wirklich arbeitete, während ich 60 Stunden im Büro verbrachte – eine Effizienz-Rate von 25%. Unglaublich! In den folgenden Wochen steigerte ich meine Produktivität dramatisch während ich weniger Stunden im Büro verbachte. Indem ich meine Arbeitsstunden einschränkte, schaffte ich tatsächlich mehr. Die Details kann man im Artikel Wie man seine Produktivität verdreifacht nachlesen.

Ich weiß, dass es ein riesiger Fehler ist, viele Stunden zu arbeiten und ich finde, dass jeder diese Wahrheit für sich selbst entdecken muss.

3. Faulheit

Oft schiebt man auf, weil man sich physisch und/oder emotional zu ausgelaugt fühlt, um zu arbeiten. Wenn man einmal in dieses Muster verfällt, ist es durch die Trägheit einfach, dort stecken zu bleiben – weil ein ruhendes Objekt dazu neigt, in Ruhe zu verbleiben.

Wenn man sich faul fühlt, erscheinen sogar einfache Aufgaben zu viel Arbeit zu sein, weil die eigene Energie zu gering ist, verglichen mit der Energie, die man für die Erledigung der Aufgabe bräuchte. Wenn man der Aufgabe die Schuld gibt, weil sie zu schwierig oder zu langweilig ist, wird man aufschieben, um Energie zu sparen. Je länger man das aber tut, desto schwächer wird die eigene Entschlossenheit und die Gewohnheit des Aufschiebens kann in einer Abwärtsspirale bis zur Depression führen.
Sich schwach und unmotiviert zu fühlen, sollte nicht normal sein, so dass es wichtig ist, dieses Muster aufzubrechen, sobald man sich dessen bewusst wird.

Die Lösung ist einfach: Arsch hoch und bewegen. Sport hilft, das Energielevel anzuheben. Wenn man über viel Energie verfügt, scheinen Aufgaben einfacher zu sein und man wird eher handeln. Ein fitter Mensch kann aktiver als ein unfitter sein, obwohl die Schwierigkeit der Aufgaben die selbe bleibt.

Kritische Faktoren

Durch Versuch und Irrtum entdeckte ich, dass Ernährung und Sport kritische Faktoren dafür sind, meine Energie beständig hoch zu halten. 1993 wurde ich Vegetarier und 1997 Veganer und diese Ernährungsverbesserungen sorgten für einen bdeutsamen und anhaltenden Energieanstieg. Wenn ich regelmäßig Sport mache, bleibt am Tag meine Stoffwechselrate hoch. Ich schiebe selten aus Faulheit auf, weil ich über die Energie und die mentale Klarheit verfüge, anzugehen, was immer mir in den Weg kommt. Die Aufgaben erscheinen mir einfacher als damals, wo meine Ernährungs- und Sportgewohnheiten noch ziemlich schlecht waren. Die Aufgaben sind die selben, aber ich bin stärker geworden.

Ein toller Nebeneffekt der guten Ernährung und des vielen Sport ist, dass ich mit weniger Schlaf auskomme. Ich schlief sonst immer wenigstens 8-9 Stunden in der Nacht, um mich ausgeruht zu fühlen, aber nun funktioniere ich gut mit 6,5 Stunden.

Die belebendsten Nahrungsmittel sind rohes Obst und Gemüse. Wenn man seine Ernährung damit anreichert, wird man wahrscheinlich feststellen, dass man deutlich mehr Energie zur Verfügung hat.

In den ersten ein oder zwei Wochen kann es sein, dass man sich vorübergehend schlechter fühlt, weil der Körper entgiftet. Erin und ich haben in der ersten Woche jeder 7 Pfund verloren, als wir Veganer wurden. Als der Milchprodukte-Klumpen endlich raus war, konnten unsere Därme die Dinge besser verarbeiten, die wir von da an aßen. Später erfuhren wird, dass das meistens so ist.

Es gibt gute Gründe, weshalb Kälber vier Mägen haben, um die Milch ihrer Mutter zu verdauen. Menschen können Milchprodukte nicht richtig verdauen, so dass die halb-verdauten Kuh-Proteine im Blut sind und als Toxine (also Giftstoffe) ausgeschieden werden müssen. Dazu benötigt man sogar mehr Energie, was dazu führen kann, dass man sich müder fühlt als normal.

Man muss selbst entscheiden, wie weit man damit gehen will. Ich schlage vor, dass man verschiedene Ernährungsumstellungen nur 30 Tage am Stück testet, um zu sehen, wie sie einen beeinflussen. So wurde ich zum Vegetarier und zum Veganer. Jedes Mal ging ich diese Herausforderung mit der Erwartungshaltung an, das ich am Ende der 30 Tage wieder zurückfallen würde, aber ich mochte die Ergebnisse so sehr, dass ich es nicht rechtfertigen konnte, zurück zu gehen.

Man sollte mir das aber nicht so abnehmen. Man sollte selbst experimentieren und entdecken, welche gesundheitlichen Gewohnheiten für einen am besten funktionieren. Wenn man mehr Tipps möchte, dann empfehle ich den Artikel Wie man die beste Ernährung für sich findet.

4.Fehlende Motivation

Ab und zu trifft Demotivation jeden von uns

Wir sind alle mal vorübergehend faul, wenn man aber unter chronisch niedriger Motivation leidet und einfach nichts anfangen kann, dann ist es an der Zeit, seine unreifen Denkmuster loszulassen und das Leben als reifer Erwachsener anzugehen und den wahren Sinn in seinem Leben zu finden.

Bevor man keinen inspirierenden Sinn findet, wird man sein Potential nicht mal annähernd ausschöpfen können und die Motivation wird immer niedrig bleiben.

Ich habe mehr als ein Jahrzehnt eine Firma geleitet, die Spiele veröffentlicht hat. Das war in meinen frühen 20ern mein Traum und es war wunderbar, sich diesen Traum zu erfüllen. Als ich aber in die 30er kam, war ich mich nicht mehr so leidenschaftlich daran interessiert. Ich war kompetent in dem was ich tat, das Unternehmen lief finanziell gesehen gut und ich hatte viel Freizeit. Ich hatte einfach nicht mehr so viel Interesse an Unterhaltungs-Software.

Als meine Leidenschaft verblasste, fing ich an, mich zu fragen:

“Wieso sollte ich diese Arbeit fortführen?”

Daher schob ich verschiedene Projekte auf, die das Unternehmen hätten voran bringen können. Ich versuchte, meine Motivation zu steigern, indem ich eine Vielfalt an Techniken ausprobierte, aber der Erfolg blieb aus. Schließlich erkannte ich endlich, dass ich einen kompletten Karriere-Wechsel brauchte. Ich musste einen inspirierenderen Weg finden.

Nachdem ich lange meine Seele erforschte, legte ich die Spieleentwicklung nieder und begann StevePavlina.com. Was für eine unglaubliche Veränderung das war! Indem ich anderen Leuten bei ihrer Entwicklung half, fand ich erneute Leidenschaft, so dass ich keine Techniken zur Motivationssteigerung mehr nutzen musste, um endlich loszulegen. Ich war einfach inspiriert, zu arbeiten. Ich fühle mich immer noch voll Feuer. Das Beste war, dass ich nun auch Aufgaben, die nicht mit der Arbeit zu tun hatten, weniger aufschob – meine Leidenschaft dehnte sich auf all meine Lebensbereiche aus.

Indem man seine Arbeit um einen inspirierenden Sinn aufbaut, wird man seine Tendenz aufzuschieben sehr reduzieren. Wenn man es noch nicht getan hat, kann man den Podcast anhören What is your purpose? [Anm. d. Red. Leider nur Englisch].

Den eigenen Sinn zu finden ist ein fantastischer Weg, Probleme mit der Prokrastination zu besiegen, weil man das, was man gerne macht, nicht aufschieben wird. Chronische Aufschieberitis ist eigentlich sogar ein wichtiges Warnsignal, das einem sagt, dass man den falschen Weg geht und einen anderen wählen sollte.

Wenn man sein Leben einmal um einen inspirierenden Sinn herum aufgebaut hat, kann man verschiedene Motivationstechniken nutzen, um seine Motivation sogar noch mehr zu steigern. Für spezifische Motivationstipps liest man am besten den Artikel: “Brennendes Verlangen kultivieren” [Anm. d. Red. Kommt noch!]

5. Fehlende Disziplin

Selbst wenn die Motivation hoch ist, kann man immer noch auf Aufgaben stoßen, die man nicht machen will. In diesen Situationen funktioniert die Selbstdisziplin wie ein Backup-System.

Wenn man motiviert ist, braucht man nicht viel Disziplin, aber sie ist nützlich, wenn man etwas machen muss, aber sich einfach nicht dazu aufraffen kann. Wenn die eigene Selbstdisziplin aber schwach ist, wird das Aufschieben zu verführerisch sein, um zu widerstehen.

Ich habe eine sechteilige Serie darüber geschrieben, wie man Selbstdisziplin entwickelt, so dass ich einfach darauf verweise Selbstdisziplin. Ich weiß, man muss ganz schön viel lesen, aber mein Ziel ist es nicht, dass ich einen niedlichen kleinen Artikel schreibe, den man bald wieder vergisst.

Wenn man Prokrastination wirklich bewältigen will, muss man die Fantasievorstellung einer schnellen Lösung leider los lassen und sich vornehmen, wirkliche Fortschritte zu machen. Hoffentlich ist man reif genug, um zu erkennen, dass das Lesen eines einzigen Artikels die Probleme mit dem Aufschieben nicht über Nacht lösen wird, genau wie ein Besuch im Fitnessstudio einen nicht zum Sportler macht.

6. Schlechtes Zeitmanagement

Kommt man manchmal nicht hinterher, weil man zu lange geschlafen hat, weil man zu unorganisiert ist oder weil einem bestimmte Aufgaben einfach durch die Lappen gingen? Schlechte Angewohnheiten wie diese führen oft zum Aufschieben – oft unabsichtlich.

Die Lösung für diesen Fall ist, dass man die schlechte Gewohnheit herausfindet, die einem schadet und sie durch eine neue Gewohnheit ersetzt. Wenn man zu Beispiel das Problem hat, zu verschlafen, sollte man die Herausforderung annehmen, zum Frühaufsteher zu werden.

Um sich von alten Gewohnheit loszulösen und eine neue anzunehmen, empfehle ich den 30-Tage-Test. Viele Leser fanden diese Methode extrem effektiv, weil es dauerhafte Veränderungen sehr viel leichter macht. Für Aufgaben, die man schon eine Weile vor sich herschiebt, empfehle ich die Methode des Timeboxing, um endlich loszulegen.

So funktioniert es: Zuerst wählt man einen kleinen Teil der Aufgabe aus, an dem nur 30 Minuten lang arbeitet. Dann sucht man sich eine Belohnung aus, die man sich direkt danach gönnt. Man bekommt die Belohnung, wenn man nur die Zeit investiert; es kommt nicht auf ein bedeutungsvolles Ergebnis an.

Beispiele wären:

  • die Lieblingsfernsehsendung zu schauen
  • einen Film zu sehen
  • ein leckeres Essen oder einen Snack zu genießen
  • mit Freunden auszugehen
  • einen Spaziergang zu machen oder
  • einfach etwas zu machen, was einem Spaß macht

Weil die Länge der Zeit, die man an der Aufgabe arbeitet so kurz ist, wird man sich auf die bevorstehende Belohnung konzentrieren anstatt auf die Schwierigkeit der Aufgabe. Egal wie unangenehm die Aufgabe ist, es gibt praktisch nichts, dass man nicht 30 Minuten lang aushält, wenn eine ausreichend große Belohnung auf einen wartet.

Wenn man Aufgaben mit dem Timeboxing löst, dann entdeckt man wahrscheinlich, dass etwas Interessantes passiert. Man wird vermutlich bemerken, dass man viel länger als 30 Minuten arbeitet. Oft wird man so in eine Aufgabe hineingezogen, auch in eine schwierige, dass man tatsächlich lieber daran weiter arbeitet. Bevor man es merkt, hat man eine oder gar mehrere Stunden investiert. Die Belohnung ist einem immer noch gewiss, so dass man weiß, dass man sie genießen kann, wann immer man aufhören möchte. Wenn man einmal zu handeln beginnt, wechselt der Fokus von der Besorgnis über die Schwierigkeit der Aufgabe zum Beenden des aktuellen Teil der Aufgabe, was nun die volle Aufmerksamkeit hat.

Wenn man aufhört zu arbeiten, sollte man sich seine Belohnung holen und sie genießen. Dann plant man eine weitere 30-minütige Zeit ein, in der man an dieser Aufgabe arbeitet, sowie eine weitere Belohnung.

Es wird einem dabei helfen, mehr und mehr Freude mit der Aufgabe zu verbinden, wenn man weiß, dass man immer direkt für seine Mühen belohnt wird. Für weit entfernte und unsichere Langzeit-Belohnungen zu arbeiten, ist nicht so motivierend, wie für Kurzzeit-Belohnungen zu arbeiten. Indem man sich schon dafür belohnt, nur die Zeit zu investieren und nicht für irgendwelche speziellen Ergebnisse, wird man gern wieder und wieder zur Arbeit an dieser Aufgabe zurückkehren und schließlich wird man sie beenden. Vielleicht will man auch den "Artikel über "Timeboxing:/timeboxing-wie-man-auch-schwierige-aufgaben-organisiert lesen.

Wenn man findet, dass Unordnung und Lotterwirtschaft einem schadet, dann empfehle ich den Artikel “Sich organisieren” [Anm. d. Red. Kommt noch!]. Für einen Überblick über effektive Zeitmanagement-Prinzipien, kann man “Zeitmanagement” [Anm. d. Red. Kommt noch!] lesen. Und für eine riesige Liste spezieller Zeitmanagement-Tipps, die man direkt anwenden kann, sollte man Mach es jetzt! lesen.

7. Fehlende Fähigkeiten

Wenn einem die Fähigkeit fehlen, eine Aufgabe auf einem vernünftigen Qualitäts-Level abzuschließen, dann schiebt man vielleicht auf, um einen Misserfolg zu vermeiden. Dann hat man drei brauchbare Optionen, um dieses Muster zu bewältigen: sich bilden, delegieren oder eliminieren.

Erstens kann man die Fähigkeiten erwerben, die man braucht, indem man sie übt. Bloß weil man etwas heute noch nicht tun kann, heißt das nicht, das man nie dazu in der Lage sein wird. Eines Tages wird man vielleicht Meister darin sein. Als ich 1995 zum Beispiel meine erste Webseite programmieren wollte, wusste ich nicht, wie ich das machen sollte, weil ich es vorher nie gemacht hatte. Aber ich wusste, dass ich lernen konnte, wie das geht. Ich nahm mir die Zeit HTML zu lernen und experimentierte. Es hat nicht allzu lange gedauert, bis ich eine funktionelle Seite aufgebaut hatte. In den Jahren seitdem habe ich die Fähigkeit angewendet und ausgebaut.

Wenn man etwas nicht kann, sollte man deshalb nicht jammern. Man sollte sich bilden, um die Fähigkeit zu erwerben bis man kompetent darin ist.

Die zweite Möglichkeit ist, Aufgaben zu delegieren. Es gibt viel zu viele interessante Fähigkeiten, um sie alle zu meistern, so dass man auf die Hilfe anderer bauen sollte. Man weiß es vielleicht noch nicht, aber im Delegieren ist man schon gut. Oder baut man sein eigenes Essen an? Näht man seine Sachen selbst? Baut man sein Haus selbst? Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass man sich für sein Überleben bereits auf andere verlässt. Wenn man ein bestimmtes Ergebnis will, aber sich die Fähigkeiten dafür nicht erst aneignen will, kann man andere anstellen, einem zu helfen.

Ich will zum Beispiel meine Tage nicht mit dem Versuch Verbringen, die Steuerordnung der USA zu verstehen, so dass ich diese Aufgabe an meinen Steuerberater abgebe. So habe ich mehr Zeit, mit meinen Stärken zu arbeiten.

Drittens kann man vielleicht schlussfolgern, dass ein Ergbnis nicht wichtig genug ist, die Mühe der Ausbildung oder Delegation zu rechtfertigen. In diesem Fall ist es clever, die Aufgabe zu eliminieren. Manchmal ist die Aufschieberitis ein Zeichen dafür, dass die Aufgabe gar nicht gemacht werden muss.

Als ich im College war, fand ich, dass manche Hausarbeiten sinnlose Beschäftigungstherapie waren und ich konnte die Mühe, die man für ihre Erfüllung brauchte, nicht rechtfertigen. Wenn der Einfluss auf die Note nicht zu groß war, dann schrieb ich diese Hausarbeiten nicht. Keinen kümmert es, ob ich eine 1- anstatt einer 1 in dem Kurs bekam, weil ich es ablehnte, einen Aufsatz über gestische Sprachen zu schreiben. Wenn es einen Arbeitgeber oder eine Hochschule kümmern würde, würde ich diese Erfahrung zu meinem Vorteil nutzen, um zu demonstrieren, dass ich Prioritäten setzen kann.

8. Perfektionismus

Eine weit verbreitete Form fehlerhaften Denkens, die zu Prokrastination führt, ist Perfektionismus. Zu glauben, dass man etwas perfekt machen muss, ist ein Stressrezept. So wird man den Stress mit der Aufgabe assoziieren und sich so konditionieren, sie zu meiden. Man wird die Aufgabe bis zur letztmöglichen Minute aufschieben, bis man endlich einen Weg aus der Falle findet.

Nun ist nicht genügend Zeit, die Arbeit perfekt zu erledigen, so dass man vom Haken ist, weil man sich einreden kann, dass man perfekt hätte sein können, wenn man nur mehr Zeit gehabt hätte. Wenn man aber keine spezielle Deadline für die Aufgabe hat, kann Perfektionismus dazu führen, dass man sie unendlich aufschiebt.

Die Lösung für Perfektionismus ist, dass man sich selbst erlaubt, menschlich zu sein. Hat man jemals eine Software benutzt, die man in jeder Hinsicht perfekt findet? Ich bezweifle das. Man sollte erkennen, dass es immer besser ist, eine Aufgabe heute nicht perfekt gelöst zu haben als eine perfekte Aufgabe endlos aufzuschieben.

Perfektionismus entsteht auch, wenn man von einem Projekt als riesiges Ganzes denkt. Man sollte dieses riesige Projekt im Kopf, das perfekt werden muss, durch einen kleinen nicht-perfekten Schritt ersetzen. Der erste Entwurf kann ganz, ganz grob sein. Man kann ihn später immer noch verändern. Wenn man zum Beispiel einen Artikel mit 5000 Worten schreiben will, sollte man sich erlauben, im ersten Entwurf nur 100 Worte zu schreiben, wenn es einem dabei hilft, anzufangen.

Es ist manchmal schwierig, diese Heilmittel anzuwenden, aber sie sind effektiv. Wenn man das Monster der Aufschieberitis wirklich zähmen will, dann braucht man etwas stärkeres als eine schnelle Lösung. Dieses Problem wird sich nicht selbst lösen. Man selbst muss die Initiative übernehmen. Die positive Seite ist, dass dieses Problem anzugehen eine Menge persönliches Wachstum bringen wird.

Man wird stärker, mutiger und disziplinierter werden, ehrgeiziger und fokussierter. Die Gewinne werden im Verlauf des Lebens stark sichtbar werden, so dass man erkennen wird, dass es tatsächlich ein versteckter Segen ist, Prokrastination zu bewältigen. Der Sinn ist, stärker zu werden.