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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Wie man seine Angst überwindet, Reden zu halten

Bei Toastmasters lernt man seine Angst vor Reden zu verlieren.

Ein Weg, seine Angst davor zu verlieren, Reden vor Publikum zu halten, ist, Angst zu haben und es einfach dennoch zu tun. So blöd wie das klingen mag, ist es wahrscheinlich der zuverlässigste Weg an Selbstvertrauen zu gewinnen. Man kann Angst haben, nervös sein, etwas zögern, aber es dann dennoch tun.

Die ersten paar Male wird man nicht sonderlich gut sein, aber das sollte man auch nicht erwarten. Das Ziel ist erstmal nur, die Rede komplett zu halten. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat – und feststellt, dass es einen nicht umgebracht hat – dann wird man beim nächsten Mal weniger ängstlich sein. Und wenn man weitermacht, wird man schließlich dabei immer besser werden und es wird sogar anfangen Spaß zu machen.

Ich denke, einer der Gründe, warum Leute Angst haben, Reden vor Publikum zu halten, ist, dass sie zuviel von sich selbst erwarten. Als ob man Angst hat ein Flugzeug zu fliegen, wenn man keine Ausbildung bekommen hat. Natürlich wird man scheitern. Wenn der Pilot einen ins Cockpit ruft und fordert “Lande das Flugzeug”, dann kann man davon ausgehen, dass man es beim Versuch in den Boden rammen wird.

Aber normalerweise ist es nicht tödlich, wenn man eine Rede in den Sand setzt. Genaugenommen ist eine Niederlage eine der besten Möglichkeiten um etwas zu lernen. Auf dieselbe Art lernen wir das Laufen und Sprechen, wenn wir Kleinkinder sind. Wir stolpern und stottern, bis wir es richtig hinkriegen. So wie man von einem Karate-Weißgurt nicht erwarten würde, einen Ziegelstein zertrümmern zu können, so würde man auch nicht von jemanden, der seine erste Rede hält, erwarten, dass er schon so wortgewandt und sicher wie ein Profi ist.

Traurigerweise erwarten Leute aber von sich selbst so ein hohes Niveau; sie haben selbst an ihre erste Rede den Anspruch, absolut hervorragend zu sein. Und da das nicht passieren wird, schürt es ihre Angst. Diese Angst verflüchtet sich größtenteils, wenn man realistische Erwartungen hat und sich darauf einstellt, dass die ersten paar Versuche schlecht sein werden.

Wer erinnert sich an die Szene aus dem Film “Matrix”, wo Neo einen Riesensprung von einem Hochhaus zum nächsten versucht und abstürzt? “Jeder fällt beim ersten Mal.” Das gleiche gilt für Reden. Man wird beim ersten Mal abstürzen. Bring’s einfach hinter dich.

Toastmasters International

Ungünstigerweise, ist es in der echten Welt gar nicht so leicht, Möglichkeiten zu finden, wo man eine Rede halten kann und niemand von einem erwartet, dass man gut ist. Leute nehmen an, dass man gut sein muss, wenn man sich freiwillig bereit erklärt, eine Rede zu halten. Es ist verständlich, dass ein guter Redner erwartet wird, da die meisten keine Lust haben, jemanden zu zu hören, der schlecht ist. Das ist langweilig.

Ich denke, die beste Lösung für diese Zwickmühle, ist eine Mitgliedschaft bei Toastmasters International. Das Schöne an Toastmasters ist, dass diese Organisation darauf ausgelegt ist, dass man so leicht wie möglich lernen kann, Reden vor Publikum zu halten. Man kann als Gast kostenlos und ohne Druck an ein paar Treffen teilnehmen und reinschnuppern. Man geht einfach hin und schaut zu. Jeder versteht dort, wie es ist, wenn man ein Anfänger ist und niemand erwartet, dass man gut ist. Es gibt kaum Erwartungen, aber dafür jede Menge Ermutigung.

Bevor ich letztes Jahr Toastmasters beigetreten bin, dachte ich, es sei eine Organisation für Leute, die bereits wirklich gute Redner sind. Die Broschüren wirkten, als wäre es eine Ansammlung von Geschäftsleuten, die formale Präsentationen abhalten. Aber das entspricht nicht der Wahrheit, wie ich schnell bemerkt habe. In einigen Clubs sind die Mitglieder größtenteils in den 40ern und 50ern und gestalten ihre Treffen recht formal. Andere Clubs hingegen haben deutlich jüngere Mitglieder von 20-30 Jahren, die sehr lockere Treffen abhalten – jeder Club ist da einzigartig. Die meisten Reden denen ich beigewohnt habe, waren eher persönlich und nicht geschäftsmäßig aufgebaut – oft werden Reden über Urlaubserlebnisse oder Kindheitserinnerungen gehalten.

Jeder hat Schwächen. Manche Leute sind schon seit über 10 Jahren bei Toastmasters und kämpfen immernoch mit “Ums” und “Ahs” während ihrer Reden. Jeder ist auf einem anderen Niveau, aber niemand ist perfekt. Und am allerwichtigsten: Jeder kann sich noch lebhaft daran erinnern, wie es für ihn beim ersten Mal war.

Am besten lernt man Toastmasters kennen, indem man als Gast zu einem Treffen geht. Man kann auch verschiedene Clubs ausprobieren – ich war inzwischen bei fünf verschiedenen. Und die Mitgliedschaft ist sehr günstig – wenn man sich zum Beitritt entscheidet. Die Beiträge werden sich demnächst etwas erhöhen (nicht viel), allerdings zahle ich bisher auch nur 5€ pro Monat. Dafür bekommt man auch noch ein monatliches Magazin.

Es gibt über 10.000 individuelle Clubs in 80 verschiedenen Ländern mit durchschnittlich 20 Mitgliedern pro Club. Die Chancen stehen also gut, dass man in seiner Nähe einen findet. Bei mir gibt es im Umkreis von 10km schon 10 Clubs. Der Club-Locator hilft weiter.

Einige der Casinos hier in Las Vegas haben sogar ihre eigenen Toastmasters Clubs. Das MGM Grad hat den “Lions Roar” Club. Das Luxor hat den “Pyramid Power Talkers” Club und das New York, New York hat den “Manhatten Express” Club.

Toastmasters bietet sogar zwei Kurse, die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Der eine ist der Kommunikationskurs, bei dem man unter anderem das Reden üben kann. Aber mit dem anderen, außerhalb der Organisation weniger bekannten Kurs kann man lernen seinen Führungsstil zu verbessern. Mitglieder steht es frei, sich auf einen oder beide Kurse zu konzentrieren. Ich mir neulich meinen CTM (Competent Toastmaster) verdient, was die erste pädagogische Auszeichnung bei Kommunikationskurs ist und arbeite nun für meinen CL (Compentent Leader), was der ersten Auszeichnung beim Führungsstilkurs entspricht. Wie man die Anforderungen für diese Auszeichnungen erfüllt, wird einem größtenteils selbst überlassen – da ist man sehr flexibel.

Toastmasters macht auch viel Spaß und ich freue mich auf die Treffen – schon wegen ihrem Unterhaltungswert. Bei jedem Treffen gibt es in der Regel viel Humor, insbesondere in dem Club, zu dem ich gehöre, bei dem einige Comedians Mitglied sind. In einigen Clubs geht man danach noch etwas essen. Ein Club in meiner Gegend, genannt “Bachelors & Bachelorettes” ist nur für Singles. Sie treffen sich im hinteren Bereich einer Kneipe und trinken Cocktails und essen zu Abend während ihrer Treffen – was für sehr viel Stimmung sorgt. Man braucht sich also keine Sorgen machen, weil Toastmasters nach außen hin recht formal aussieht – man ist dort äußerst freundlich gegenüber Neulingen.

Zu guter Letzt ist Toastmasters eine tolle Möglichkeit aus dem Haus zu kommen und sich sozial zu betätigen, neue Freunde aus der Gegend kennenzulernen (besonders gut geeignet um den Überfluss an Online-Freunden auszugleichen), Spaß zu haben und eine Pause von der Computerkiste. Tatsache ist, ich habe jetzt auch ein Treffen zu dem ich los muss …