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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Wie man seine Emotionen bewusst wählt

Ich habe viel Feedback zum vorangegangenen Artikel erhalten, betreffend der Herausforderung seine Gedanken bewusst zu lenken, um auf eine bestimmte Art und Weise zu denken.

Zuerst muss ich natürlich anerkennen, dass es Menschen und Gesellschaften gibt, die ein starkes, feststehendes Interesse haben, andere so zu konditionieren, damit sie die (falsche) Überzeugung beibehalten, dass sie eine Art äußere Bewertung benötigen, um auf eine bestimmte Art und Weise zu denken. Marketing-Experten geben jedes Jahr Milliarden aus, um die Menschen zu überzeugen, dass sie ihre Limo trinken, ihr Essen essen, ihre Kleidung tragen, ihre Autos fahren und in ihren Läden einkaufen müssen, um sich glücklich, cool, modisch, beliebt, selbstbewusst, erfolgreich etc. zu fühlen. Wer wird wohl am meisten davon profitieren, wenn man die Überzeugung annimmt, sich auf eine bestimmte Art und Weise kleiden zu müssen, um sich modisch zu fühlen oder ein bestimmtes Auto zu fahren, um cool zu sein?

Wenn man versteht, dass man eine angeborene Fähigkeit hat, seine Gedanken bewusst zu lenken, um jedes Gefühl zu erschaffen, das man möchte, wann immer man möchte, macht man solche Menschen nicht reich. Aber man wird viel freier sein, da man die Macht der bewussten Kontrolle über die eigenen emotionalen Zustände erlangt hat. Das ist eine Eigenschaft, die Übung benötigt, aber sie ist erlernbar. Ich kann mich im Zeitraum von wenigen Minuten so beeinflussen, dass ich jedes Gefühl fühlen kann, das ich möchte und ich brauche nur fünf Sekunden für die Gefühle, die ich bereits verankert habe. Das ist nichts Einzigartiges – erfahrene Schauspieler können das ebenso. Wenn ein Schauspieler in einer absolut gestellten Situation schallend lachen oder ein Fluss Tränen weinen oder mit intensiver Wut schreien kann, dann kann man selbst sicherlich auch lernen auf einen Fingerzeig hin 100% selbstsicher zu sein (und wirklich das echte Gefühl zu erleben).

Praktische Anwendungen

Meine Lieblingsemotion ist der Zustand, wenn man sich “Nicht aufzuhalten” fühlt – das ist eine, die ich bei einem Tony Robbins Seminar geankert habe. Ankern heißt, einen bestimmten emotionalen Zustand so zu konditionieren, dass er auf einen einfachen Auslöser hin auftritt, genau wie Pavlov seine Hunde konditionierte, die Fütterung mit dem Klingen einer Glocke zu verknüpfen. Wenn ich also eine bestimmte Bewegung mache, werde ich automatisch innerhalb von Sekunden in diesen emotionalen Zustand versetzt. In meinem alten Tae-Kwon-Do-Studio, hatte ich einen weiteren Schüler bemerkt, der während eines Übungskampfes mehrmals einen Anker nutzte. Der Tennisspieler Andre Agassi und der Basketballspieler Byron Scott nutzten beide die emotionale Verankerung in ihrer sportlichen Karrieren, und ich habe auch gelesen, dass die emotionale Konditionierung mit herausragenden Ergebnissen vom deutschen Olympiateam genutzt wurde (das amerikanische Team ist allgemein immer viel weiter zurück auf diesen Gebiet). Verankern ist in Tony Robbins Buch Grenzenlose Energie gut beschrieben und er führt einen auch in seinen Seminaren durch den Prozess und beschreibt ihn in seinem Audioprogramm. Ich habe entdeckt, dass ich, wenn ich einen Anker einmal konditioniert habe, ich ihn nicht einmal körperlich abfeuern muss, was sehr cool ist. Ich muss mir eigentlich nur vorstellen, die Bewegung zu machen und es funktioniert immer noch. Am Mittwochabend als ich als Redner vorgestellt wurde, habe ich mir nur vorgestellt, dass ich meinen Hinweisreiz für Selbstvertrauen abfeuere und als ich das Rednerpult erreicht hatte, fühlte ich mich zu 100% selbstsicher. Ja, 100% – weder Nervosität noch Selbstzweifel.

Werbemacher benutzen das Ankern die ganze Zeit. Darum zahlte Pepsi jemandem wie Michael Jackson 20 Millionen Dollar, um in einem 30-Sekunden- Werbespot aufzutreten (Na gut, das ist Jahre her). Sie wollen, dass man die Gefühle, die man erfährt, wenn man ein bestimmtes Lied hört, mit ihrem Produkt verbindet. Diese emotionale Konditionierung funktioniert besser, als logisch mit jemandem zu argumentieren, weswegen er Zuckerwasser mit Chemikalien konsumieren sollte. Und es funktioniert super… zur Melodie der Millionen.

A mind like water

Als Dr. Wayne Dyer im College über Selbstverwirklichung lernte, fragte ein Professor diese Frage:

“Wenn eine absolut selbstverwirklichte Person unbewusst zu einem formalen Anlass geht und eine absolut zwanglose Kleindung trägt, wie würde sie reagieren?”

Die Antwort:

“Sie würde es nicht einmal bemerken.”

Das ist der Zustand totalem emotionalem Könnens, wo nicht einmal ein äußerer Anlass einen in einen negativen emotionalen Zustand bringen kann. Ein Geist wie Wasser (A mind like water).

Das Problem ist nicht, dass äußere Anlässe Kontrolle über die eigenen Gefühle haben. Das Problem ist, dass man daran glaubt. Diese Überzeugung abzuschaffen und zu erkennen, dass man die angeborene Eigenschaft hat, seine Gefühle in jedem Augenblick zu kontrollieren, egal wie die Umstände sind, ist der erste Schritt zum emotionalen Können. Ereignisse sind neutral. Was einen dazu bringt, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu fühlen, ist, wie man dieses Ereignis interpretiert, wie man darüber denkt. Das selbe Ereignis (sogar ein so ernstes, wie der Tod eines Nahestehenden) wird von verschiedenen Menschen unterschiedlich interpretiert. Es wurde einem beigebracht, dass man einige Ereignisse als tragisch anzusehen hat, während anderen Menschen auf dem Planeten beigebracht wurde, die selben Ereignisse zu feiern. Das Ereignis selbst hat keine Bedeutung, nur die Bedeutung, die man ihm verleiht und der Akt der Bedeutungszuweisung (ob bewusst oder unbewusst) ist dafür verantwortlich, wie man sich fühlt.

Wenn man das einmal versteht, kann man beginnen, bewusste Kontrolle über diese Aufgaben zu gewinnen. Wenn man mit einer unheilbaren Krankheit geschlagen ist, interpretieren das manche Leute als furchtbar und fallen in eine tiefe Depression. Andere interpretieren es als Herausforderung und finden einen Weg, die Krankheit zu überwinden. Und wieder andere betrachten es als einen Weckruf, ihre Prioritäten zu überdenken und das beste aus der ihnen verbliebenen Zeit zu machen, indem sie tiefere Bindungen zu den Menschen um sie herum entwickeln und erfüllter leben. Für manche Leute ist es das Ende, während andere es als Neuanfang betrachten. Das muss aber keine unbewusste Reaktion sein – es kann eine bewusste Wahl sein. Wann immer etwas passiert, das einen normalerweise deprimieren würde, kann man wählen, eine alternative Interpretation zu finden, die einen bekräftigt, anstatt einen zu entmutigen. Anstatt Misserfolg kann man eine Lernerfahrung daraus machen. Anstatt auf den Verlust kann man sich darauf konzentrieren, sein Gefühl von Dankbarkeit, für das was man hat, zu vertiefen. Anstatt von Abweisung kann man eine temporäre Diskrepanz und eine erneuerte Möglichkeit, eine perfekte Übereinstimmung zu finden, sehen. Nur weil das Fernsehen einen lehrt, auf eine bestimmte Art und Weise hinsichtlich eines bestimmten Ereignisses zu denken, heißt das nicht, dass man diese Interpretation blind akzeptieren muss, besonders weil die Fernsehindustrie davon profitiert, wenn man sich traurig fühlt und daher einschaltet, um zu versuchen den emotionalen Stand zu ändern.

Zwischen Reiz und Reaktion

Zwischen Reiz und Reaktion liegt die Chance für bewusste Entscheidung. Man kann gefeuert werden und es als Sieg betrachten, anstatt als eine Niederlage (Lee Laccoca hat das gemacht – ein italienisch-amerikanischer Manager der Automobilindustrie). Man kann bankrott gehen und nachher noch mehr Reichtum anhäufen (Donald Trump hat das gemacht). Man kann verletzt werden, bis zur völligen Entstellung und es zu einem Vorteil machen, um andere zu inspirieren (W. Mitchell, ein Redner und Manager hat das gemacht). Man kann von seiner Freundin verlassen werden, sich nach Selbstmord fühlen und trotzdem rasch wieder auf die Beine kommen (Billy Joel hat das gemacht). Und auf der anderen Seite kann man herausragende Erfolge genießen und sich trotzdem bis hin zum Tod missbrauchen (John Belushi hat das gemacht).

Für jedes anscheinend negative Ereignis, kann man jemanden finden, der es zu einer bestärkenden Erfahrung machte. Und für jedes positive Ereignis kann man jemanden finden, der es so interpretiert, dass er sich damit kaputt macht. Man sollte die Falle vermeiden, dass Ereignisse einen unbewusst kontrollieren und die Macht des eigenen Bewusstseins nutzen, um sich für eine eigene Interpretation der Ereignisse zum Besten für alle zu entscheiden.

Wenn man den Punkt erreicht, an dem man unabhängig von äußeren Ereignissen wird, fühlt man sich wahrhaft frei. Es ist ein Zustand, in dem man sich losgelöst von äußeren Erscheinungen fühlt, und weiß, dass man eine direkte und bewusste Kontrolle über die eigenen Gedanken ausüben kann, anstatt jemand Anderen zu benötigen, der das für einen tut. Dr. Wayne Dyer nennt es “unabhängig sein von der Meinung Anderer”. Egal, was einem passiert, man kann immer wählen, mit sich im Einklang zu stehen.