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Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

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Wie man seine Werte lebt
(Teil 1)

Ich habe viele Bücher gelesen, die immer wieder betonen, wie wichtig es ist, persönliche Werte zu verstehen und sich darüber klar zu werden, was einem das Wichtigste im Leben ist. Aber bis heute ist mir noch keine Quelle untergekommen, die dieses unglaublich nützliche Konzept mit ausreichendem Tiefgang behandelt.

Das Meiste, was ich über Werte gelesen habe, behandeln den Prozess, der die eigenen Werte aus einem herauslockt – und belässt es dann dabei. Aber ich möchte dieses komplexe Thema eingehender behandeln und zeigen, wie man auf intelligente Weise seine Werte mit seinen Zielen verknüpft.

Im ersten Teil werde ich Schritt für Schritt durch einen Prozess führen, um die persönlichen Werte herauszufinden und zu prioritisieren. Es ist natürlich möglich, dass man bereits eine solche Liste erstellt hat, da es eine beliebte Übung ist, die man in vielen Büchern über das persönliche Wachstum finden kann. Ich möchte dennoch dazu ermutigen, sich diesen Prozess durchzulesen, weil es das Verständnis vertiefen wird.

Als mein zweites Ziel möchte ich den Prozess erklären, wie man seine Werte mit Integrität leben kann, damit man lernt, wie man bewusst seine Werte einsetzen kann, um Entscheidungen zu treffen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Es ist sinnlos erst seine Werte zu entdecken, um sie dann irgendwo abzulegen und zu vergessen. Das wird im zweiten Teil behandelt.

Warum sind Werte wichtig?

Der Hauptvorteil seine Werte zu kennen, ist der Gewinn enormer Klarheit und Schärfe, aber letztendlich muss man diese neugewonne Klarheit nutzen, um konsequente Entscheidungen zu fällen und engagiert damit arbeiten. Der Sinn seine Werte zu entdecken, dreht sich also komplett darum, seine Resultate in den Bereichen zu verbessern, die einem selbst am wichtigsten sind.

Werte sind Prioritäten, durch die man weiß, womit man seine Zeit verbringen sollte – hier und jetzt. Es gibt 2 Gründe, warum diese Prioritäten im Leben wichtig sind.

Der erste Grund ist, dass Zeit nur limitiert zur Verfügung steht; Zeit erneuert sich nicht. Wenn ein Tag vorüber ist, dann kommt er nie wieder. Wenn man ihn mit Dingen verschwendet, die nicht zu den Ergebnissen führen, die man anstrebt, dann ist der Verlust permanent. Man kann mehr Geld verdienen, seinen Körper trainieren und angeknackste Beziehungen retten, aber man kann nicht den gestrigen Tag nochmal wiederholen. Wenn alle unendlich viel Zeit hätten, dann wären Werte und Prioritäten irrelevant. Aber zumindest hier auf der Erde, ist man anscheinend sterblich und hat nur begrenzte Lebenszeit – und wenn man sein endliches Leben ehren will, dann ist es nur logisch, es so intensiv zu nutzen, wie man nur kann.

Es steht jedem frei zu entscheiden, was “das Beste” für ihn bedeutet. Eben der Gedanke, dass man einige mögliche Permutationen des Lebens ansprechender empfindet als andere, bedeutet nur, dass es von großem Vorteil ist, seine Werte zu kennen. Auf der anderen Seite kann man aufhören weiterzulesen, wenn man irgendeine Art zu leben, als gleichwertig mit allen anderen ansieht (Prinz oder Bettler, Olympionik oder fettleibig, Heiliger oder Sünder) – man braucht diese Informationen hier nicht. Aber die meisten Menschen können sich sicherlich ein (oder mehrere) Leben vorstellen, die sie anderen vorziehen würden.

Der zweite Grund – weswegen Prioritäten wichtig sind – rührt daher, dass die Menschen dazu neigen, ziemlich inkonsequent zu sein, wie sie ihre Zeit und Energie investieren. Die Meisten sind schnell abgelenkt. Man tappt leicht in die Falle, jeden Tag nach anderen Prioritäten zu leben. An einem Tag trainiert man; am nächsten Tag ist man nachlässig. Einen Tag arbeitet man produktiv; den nächsten Tag vergammelt man mit seiner Faulheit. Wenn man nicht seine Prioritäten nicht bewusst einsetzt, um auf einem klaren und konsequenten Kurs zu bleiben, dann ist es nur natürlich, dass man vom Weg abkommt und sich mit irgendwas anderem die Zeit vertreibt. Und diese Art zu leben, führt zu dürftigen Ergebnissen. Wenn ein Flugzeug überall dahin fliegen würde, wo der Wind es hin treibt – wer weiß schon, wo es schließlich landen wird? Und der Flug an sich wäre wohl auch stressig und unsicher.

Also, aus diesen beiden Gründen – limitierte Zeit und ein normalerweise hohes Maß an Ablenkung – wird es extrem wichtig, sich seiner Werte bewusst zu werden und nach ihnen zu leben. Werte sind der Kompass, der einen jeden Tag zurück auf Kurs bringt, so dass man Tag für Tag seiner Definition vom “besten” Leben, dass man haben könnte, immer näher und näher kommt. Das “Beste” ist das eigene Ideal und auch wenn man vielleicht nie “das Beste” erreicht, dann kann man sich aber, in der Regel, an immer positiveren Schattierungen von “besser” erfreuen, während man seinem Ideal näher kommt. Und das ergibt auch Sinn, weil viele Resultate im Leben in einem Kontinuum existieren. Es gibt einige diskrete Gebilde, wie verheiratet zu sein oder auch nicht, aber die eigene Gesundheit, der finanzielle Status, intime Beziehungen und das Maß an Glücklichkeit sind normalerweise kontinuierlich, was bedeutet, dass sie nach und nach besser oder schlechter werden können. Es erscheint sinnvoll, dass mehr Gesundheit, Glück, Wohlstand, Intimität, innerer Frieden, Liebe, usw. besser ist als weniger.

Aber hier ist der Knackpunkt: Da die zur Verfügung stehende Zeit limitiert ist und da es Zeit braucht, um sich im Kontinuum durch die verschiedenen Stufen von “besser” vorwärts zu bewegen, kann man gewöhnlicherweise nicht direkt den Zustand “des Besten” erreichen. Man kann das Flugzeug nicht sofort landen – es ist immer noch auf seinem Flug. Zudem hat jeder eine andere Definition, was “das Beste” für ihn bedeutet. Für manche ist gute Gesundheit ein absolutes Muß. Für andere ist Mitgefühl das, was am wichtigsten ist. Und jeden dieser Werte befindet sich jede Person an einem anderen Punkt im eigenen Kontinuum. Angenommen es sind eine ganze Menge Flugzeuge in der Luft – jedes an einem anderen Ausgangspunkt und mit einem anderen Zielflughafen. Man kann nicht für alle den gleichen Kurs verwenden, damit es seinen “besten” Flughafen erreicht. Jedes Flugzeug braucht seinen eigenen, ganz individuellen Kurs.

Um es für Menschen zu sagen: Jeder ist an einem anderen Punkt, was seine Gesundheit angeht und jeder hat ein andere Vorstellung davon, was die “bestmögliche” Gesundheit ist, die man erreichen kann. Das erfordert einen einzigartigen Kurs, den jede Person von ihrem aktuellen Ausgangspunkt zu ihrem besten Gesundheitszustand einschlagen muss.

Aufgrund dieser individuellen Unterschiede sind manche der eigenen “Flugzeuge” viel weiter von ihren Flughäfen entfernt, als andere. Wenn man 150 Pfund wiegen will und aktuell bei 155 steht, dann ist dieses Flugzeug in Sichtweite seines Flughafen und bereits beim Anflug. Wenn man ein Millionär werden will und praktisch pleite, mit einem geringfügigen Einkommen ist, dann hat das Flugzeug noch einen sehr weiten Weg vor sich.

Weil man nicht alles gleichzeitig machen kann, muss man priorisieren, welche Flugzeuge am wichtigsten sind. Vielleicht kann man nicht alle in seiner Lebenszeit landen, weil man vermutlich nicht weiß, wieviel Zeit man noch vor sich hat; bzw. wie lange man benötigen wird, um jedes Flugzeug zu landen. Aber es muss klar sein, dass jeder Lebensbereich sich verbessern wird, wenn man sein Flugzeug näher an seinen Flughafen heranbringt.

Nun aber zum Prozess zum …

Aufdecken der eigenen Werte

Hier ist eine Schritt-für-Schritt Anleitung um eine Hierarchie der persönlichen Werte aufzustellen. Eine Warnung vorweg: Das kann ein sehr zeitaufwendiger Prozess sein und er benötigt konzentriertes Arbeiten. Also wenn gerade keine gute Zeit dafür ist, dann kann man erstmal drüberlesen und den Prozess später durchführen, wenn man Zeit hat. Es ist harte Arbeit, aber den Aufwand wert.

Die Frage, die man sich stellen muss, ist:

“Was ist mir wirklich wichtig im Leben?”

Man überlegt sich eine Liste an Werten, die einem als Antwort einfallen. Dabei sollte man jede Antwort auf 1 oder 2 Wörter reduzieren, mit denen man sie ausdrücken kann. Zum Beispiel, wenn eine der Antworten “eine erfolgreiche Karriere haben” ist, dann kann man das auf den Wert Erfolg reduzieren.

Um es etwas leichter zu machen, habe ich eine große Liste an Werten aufgestellt, die man als Ausgangspunkte für seine eigene Liste verwenden kann. Die Reihenfolge und Länge der Liste ist egal – hauptsache man schreibt erstmal alles auf.

Am Ende hat man eine Liste, die vielleicht ungefähr so aussieht:

  • Liebe
  • Gesundheit
  • Wohlstand
  • Komfort
  • Spaß
  • Glück
  • Erfolg
  • Lernen
  • Frieden
  • Intimität
  • Abenteuer
  • Sicherheit

Es gibt kein Muss dafür, wie lang die Liste sein soll, aber ich bevorzuge eine Liste mit ungefähr 10-15 Werten. Wenn man mehr aufgeschrieben hat, dann sollte man vielleicht marginale Werte, die es gerade so auf die Liste geschafft haben, streichen oder mehrere Werte, die fast dasselbe ausdrücken – wie z.B. Leistung und Vollendung – zusammenfassen.

Seine Werte priorisieren

Der nächste Schritt ist die Priorisierung seiner Liste. Das benötigt für gewöhnlich die meiste Zeit und ist schwierig, weil man dafür wirklich intensiv nachdenken muss.

Meine bevorzugte Methode, um die Werte zu priorisieren, ist einfach: Ich identifiziere den wichtigsten Wert, dann den zweitwichtigsten und so weiter, bis ich die gesamte Liste neu sortiert habe – mit absteigender Wichtigkeit. Man kann sich dazu diverse Fragen stellen:

“Welcher dieser Werte ist für mich wirklich der allerwichtigste in meinem Leben?”

“Wenn ich nur einen dieser Werte leben könnte, welcher wäre das?”

Die Antwort auf diese Frage, ist der höchste Wert. Dann nimmt man sich die restliche Liste vor und stellt sich erneut diese Fragen, bis man alle durch hat und die Liste sortiert ist.

Manchmal ist der höchste Wert direkt offensichtlich. Aber manchmal muss eine engere Auswahl treffen und hat Probleme herauszufinden, welcher davon der tatsächlich wichtigste ist. Für diesen Fall habe ich einen Tipp: Man erfindet für jeden Wert ein Szenario und vergleicht diese.

Angenommen, man versucht zu entscheiden, ob man Lernen oder Frieden wichtiger findet – dann fragt man sich:

“Was würde ich lieber machen – ein Buch lesen oder meditieren?”

Dieses Beispiel setzt voraus, dass ein Buch zu lesen, den Wert des Lernen befriedigen würde und das man Meditation als etwa gleichwertige Methode für persönlichen Frieden ansieht. Ich habe festgestellt, dass mir mit solchen Szenarien schnell klar wird, was ich bei solchen schweren Entscheidungen tatsächlich bevorzuge.

Also angenommen, die obige Liste wurde sortiert und das Ergebnis sieht so aus:

  1. Frieden
  2. Liebe
  3. Intimität
  4. Sicherheit
  5. Komfort
  6. Glück
  7. Spaß
  8. Gesundheit
  9. Lernen
  10. Abenteuer
  11. Wohlstand
  12. Erfolg

Was kann man über diese Person sagen? Wenn man die Werte-Hierarchie einer Person kennt, dann sollte man wenig Probleme haben, deren Verhalten vorherzusagen. Wenn diese Person nach ihren Werten lebt, dann führt sie ein Leben das hauptsächlich auf Frieden, Liebe und Intimität ausgerichtet ist. Ihre Beziehungen (sowohl mit sich selbst, als auch anderen) werden ihr extrem wichtig sein und sie würde niemals ihren beruflichen Erfolg ihrer Familie vorziehen.

Auf der anderen Seite; was wenn die Person ihre Werte genau umgekehrt einsortiert hat?

  1. Erfolg
  2. Wohlstand
  3. Abenteuer
  4. Lernen
  5. Gesundheit
  6. Spaß
  7. Glück
  8. Komfort
  9. Sicherheit
  10. Intimität
  11. Liebe
  12. Frieden

Was für eine Person ist das? Jetzt hat man jemanden, der wahrscheinlich sehr karriere-orientiert ist – vielleicht einen Unternehmer. Er wird ein völlig anderes Leben führen, als jemand der Frieden als höchsten Wert hat. Erfolg haben und Wohlstand aufbauen ist dieser Person viel wichtiger als persönliche Beziehungen, so dass sie ihre Karriere praktisch immer einem Urlaub mit der Familie vorziehen wird, wenn sie vor die Wahl gestellt ist.

Ich will nochmal betonen, dass das ein wirklich schwieriger und anspruchsvoller Prozess ist. Das sind keine leichten Entscheidungen. Wenn ein Wert auf der Liste auftaucht, dann ist er einem wirklich wichtig. Die persönlichen Werte bewusst zu priorisieren, ermöglicht es aber, dass man bei wichtigen Entscheidungen in der Zukunft auf sie vertrauen kann. Wenn man weiß, was das wirklich Wichtigste im Leben ist, um innerlich zufrieden zu sein, dann fällt es auch leicht, zu den Dingen nein zu sagen, die davon wegführen.

Jetzt, wo man seine eigene Werte-Hierarchie aufgestellt hat, scheint man etwas Wichtiges erreicht zu haben. Viele Bücher über Werte, stellen das jedenfalls so dar. Aber meiner Erfahrung nach ist die Liste an sich nicht wirklich wichtig. Diese Liste enthält nur die Werte, auf die man konditioniert wurde – durch die Erziehung und die Gesellschaft. Um bei der Flugzeug-Analogie zu bleiben: diese Liste sagt, wohin die Flugzeuge unterwegs sind. Aber das ist nicht zwangsläufig die Richtung, in die man die Flugzeuge auch weiterhin fliegen lassen will.

Seine Werte eingehender analysieren

Jetzt kommt der wirklich interessante Teil. Man muss nicht mit den gleichen Werten weiterleben. Man kann sie bewusst ändern – auch radikal, wenn erwünscht. Man kann von einer Person, die Frieden als höchsten Wert hat, zu einer übergehen, deren höchste Priorität Erfolg ist – oder umgekehrt. Man ist nicht identisch mit seinen Werten. Man ist der Denker seiner Gedanken, aber man ist nicht der Gedanke selbst. Die persönlichen Werte sind der aktuelle Kompass, aber sind nicht das echte Ich.

Ist es wirklich möglich, dass man seine Werte bewusst ändern kann? Ja, ist es. Das wird in Teil 2 des Artikels klarer werden, wenn untersucht wird, wie man seine Werte bewusst lebt. Aber jetzt erstmal eine andere Frage: Warum will man seine Werte denn überhaupt ändern?

Vielleicht will man seine Werte ändern, wenn man verstanden und akzeptiert hat, wo sie einen hinführen werden und man erkennt, dass das, was man aktuell schätzt, nicht dazu führen wird, dass man das “bestmögliche” Leben führen kann, was man sich wünscht. Das “beste” Leben ist die Vision aller Ziele, die man erreichen möchte – das großartigste ultimative Schicksal, das man sich für sich vorstellen kann. Aber die persönlichen Werte sind nur ein Maß für die aktuelle Richtung, die man eingeschlagen hat. Und in den meisten Fällen sind diese zwei Dingen inkongruent zueinander, d.h. die aktuellen Werte stehen nicht im Einklang mit dem Kurs, der zum bestmöglichen Leben führt.

Ich will, dass man sich einen Moment Zeit nimmt, um sich wirklich klar zu machen, was das für einen persönlich bedeutet. Wenn man mit seinen bisherigen Werten weiterlebt, dann kann man die gleichen Resultate erwarten, die man auch bisher bekommen hat, vielleicht ein wenig bessere, wenn man sie bewusster anwendet. Aber höchstwahrscheinlich ist man nicht mit dem zufrieden, wohin sie einen führen, wenn man auf diesem Kurs bleibt. Was sind die Flughäfen, an denen man vorbeifliegt, aber nie anfliegt?

  • Wird man nie eine intime, liebevolle Beziehung haben?
  • Wird man nie Kinder haben?
  • Wird man nie wohlhabend werden?
  • Wird man nie einen herausragenden, energiegeladenen Körper haben?
  • Wird man nie um die Welt reisen?
  • Wird man nie die Möglichkeit haben, seinen Träumen zu folgen?
  • Wird man nie das Gefühl haben, dass man im Einklang mit seinen spirituellen Ansichten lebt?

Aber was, wenn all diese “Nies” plötzlich möglich werden könnten? Wie geht das? Sie können möglich werden, wenn man seine Werte anpasst. Und hier ist der Schlüssel dazu: Man muss seine Werte nicht sein ganzes Leben lang beibehalten. Man kann sie so oft ändern, wie man will. Ich überarbeite meine Werte-Liste alle 3-6 Monate.

Wenn man seine Werte-Liste überarbeitet und bewusst anwendet, dann verändert man sein Verhalten und damit die Ergebnisse. Und das kann zu unglaublichen neuen Erfahrungen führen. Zum Beispiel, wenn der höchste Wert Gesundheit ist und man bereits in hervorragender körperlicher Verfassung ist, was würde wohl passieren, wenn man Wohlstand als seinen höchsten Wert erwählt? Man würde für eine Weile sein Training etwas zurückschrauben und ungeheuer viel Energie darin investieren, wohlhabend zu werden. Die Investition in die Gesundheit würde etwas nachlassen, aber kurzfristig gesehen, macht das wohl keinen großen Unterschied. Gesundheit kann immer noch einer der höchsten Werte sein, aber es ist einfach nicht mehr die Nummer Eins. Da man sich nun absichtlich auf seinen neuen höchsten Wert Wohlstand konzentriert, wird man schließlich erfolgreich sein und Wohlstand aufbauen. Aber irgendwann, wenn man wohlhabender und wohlhabender wird, dann wird man darauf nicht mehr soviel Wert legen, mehr und mehr Geld über einen gewissen Punkt hinaus zu verdienen. Jetzt entscheidet man sich, Mitgefühl als seinen höchsten Wert anzusehen; man beginnt damit sein gesundes und wohlhabendes Selbst einzusetzen, um Anderen zu helfen. Durch diesen Prozess – des bewussten Ändern der eigenen Werte – hat man sich von einer Sportskanone zu einem Unternehmer und zu einem Philantrophen gewandelt. Man hat ein fantastisches Leben geführt. Aber wenn man seine ursprünglichen Werte beibehalten hätte, dann hätte man sein ganzes Leben lang nur gewusst, wie es ist eine Sportskanone zu sein. Dann wäre das Meiste, des eigenen, wahren Potentials, für immer unentdeckt geblieben.

Seine Werte ändern

Also wie entscheidet man, welche Werte man ändert? Man benutzt einen sehr ähnlichen Prozess zum Auflisten und Priorisieren, aber diesmal weiß man, wo die Flughäfen liegen – bei den eigenen Zielen. Ich werde den Prozess jetzt nicht nochmal in allen Details wiederholen, weil es genau das gleich wie oben ist. Man wiederholt einfach die bekannten Schritte mit seinen Zielen anstatt seinen Werten. Hier ein Beispiel für Ziele-Liste:

  • Gewicht auf 150 Pfund verringern
  • Millionär werden
  • Nach San Diego ziehen
  • In Immobilien investieren
  • Durch jedes Land in Europa reisen
  • Sich verlieben und heiraten
  • Eine Rede vor 5000 Leuten halten
  • Skydiving
  • In einem Film mitspielen
  • Auf dem Mond spazieren
  • Einen Marathon laufen

Also nochmal: Ziele aufschreiben. Entscheiden, was die wirklich wichtigen für einen sind. Diese priorisieren. Und es ist okay, wenn man mehr als 10-15 hat. Auch mehr als 100 ist in Ordnung – es wird nur etwas länger dauern, bis man sie sortiert hat.

Diese Ziele repräsentieren die Erfahrungen, bei denen man das Gefühl hat, dass sie ein Teil des “besten” Leben sind, dass man führen könnte. Ich meine hier nicht ein gutes oder sogar großartiges Leben – ich meine das beste Leben. Wenn ein Leben, in dem man nie durch Europa gereist ist, nicht tatsächlich das Beste ist, dann schreibt man dieses Ziel besser dazu.

Um nochmal zu der Flugzeug-Analogie zurück zu kommen: Diese Ziele-Liste repräsentiert die Flughäfen. Jetzt sollte man erkennen, was das Problem mit einer statischen Werte-Liste für das ganze Leben ist. Wie kann eine einzige Liste an Werten es jemals erlauben, alle diese unterschiedlichen Flughäfen anzusteuern? Die Werte, die einem zum Millionär machen, sind vermutlich nicht die selben, die zu einer Hochzeit führen. Und die Werte, die einem zum Skydiving führen, sind nicht die selben, die dabei helfen, in Immobilien zu investieren. An einem gewissen Punkt im Leben muss man sich bewusst auf eins seiner Ziele konzentrieren und die anderen etwas vernachlässigen.

Wenn man es nicht schafft, seine Energie auf die Ziele zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind, dann werden einem einige davon entgleiten – und das ist einer hoher Preis, den man hier zahlt. Man hat vielleicht beruflichen Erfolg und heiratet nie. Oder vielleicht heiratet man, aber geniesst nie die Vorzüge wirklich fit zu sein. Man muss sich die großen, bedeutenden Ziele ins Bewusstsein rufen, die man bereits erreicht hat. Hat man dabei nicht eine Phase erlebt, wo das Erreichen dieses Ziels eine zeitlang das Allerwichtigste war? Und dabei hat man (vermutlich unbewusst) seine Werte angepasst, um sein Ziel zu erreichen. Ich erinnere mich daran, dass meine Verlobte für die 6 Monate vor unserer Hochzeit in einen Hochzeitsplaner-Modus verfallen ist. Ihre höchsten Werte während dieser Zeit wurden Dinge wie Organisation und Vorbereitung, aber nach unseren Flitterwochen war das vorbei. Sie wurden einfach nicht mehr in dem Maße benötigt.

Jetzt wo man seine Ziele-Hierarchie erstellt hat, kann man seine 1-2 größten Ziele wählen und bewusst eine Liste mit Werten aufbauen, die zu ihrer Erfüllung führen werden. Angenommen, man hat die gleiche Liste mit Zielen wie oben, dann wäre das Top-Ziel also der Gewichtsverlust auf 150 Pfund. Um dieses Ziel zu erreichen, kann man Fitness zu seinem höchsten Wert machen. Dann vielleicht Selbstdisziplin als zweiten Wert, damit man seinen Ernährungs- und Trainingsplan beibehält. Und dann mag Lernen der dritthöchste Wert sein, damit man seine Zeit damit verbringt, sich über die richtige Diät und Ernährung zu informieren. Man muss diese Werte seinen Lebensumständen anpassen. Wie jede Fähigkeit benötigt auch das Übung, aber mit der Zeit wird man besser und besser darin, Werte für seine Ziele auszuwählen.

Wann immer man ein großes Ziel erreicht, ist es eine gute Zeit um ein neues Ziel auszuwählen und seine Werte-Liste zu überarbeiten, damit sie darauf zugeschnitten ist. Wenn man den Marathon geschafft hat und sich bereit fühlt, etwas Neues anzugehen, wie z.B. ein Millionär zu werden, dann packt man Gesundheit ein paar Plätze weiter runter und behält seinen aktuellen Stand bei, während man Werte wie Wohlstand, Erfolg und Mut auf die ersten Plätze seiner Liste setzt, um sich auf die nächste Herausforderung vorzubereiten.

Die meisten Bücher über Werte, die ich gelesen habe, suggerieren, dass man seine Ziele von seinen Werten ableitet. Ich empfehle den genau entgegen gesetzten Ansatz – also dass man seine Werte von seinen Zielen ableitet. Ich habe Jahre mit dem ersten Ansatz verbracht und das Ergebnis war eine Menge Frustration. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich irgendetwas übersehen habe, weil mir meine statische Werte-Liste scheinbar nie ermöglichte, bestimmte Ziele zu erreichen. Letztendlich habe ich herausgefunden, dass Ziele zuerst kommen und dann die Werte angepasst werden, damit sie zu ihnen passen; wenn ein Ziel erreicht ist, dann kann eine komplett neue Werte-Liste aufgesetzt werden. Die Flugzeug-Analogie macht diesen Unterschied sehr deutlich – bevor man einen Kurs für sein Flugzeug setzen kann, muss man zuerst bestimmen, wo der Ziel-Flughafen ist. Wenn man den Kurs setzt ohne das Ziel zu kennen, dann wird man unheimlich viel Frustration erleben, wenn man versucht seine Flugzeuge dort zu landen, wo man sie gerne sehen würde.

Wer ein Beispiel lesen möchte, wie ich bewusst meine Werte angepasst habe, als sich meine größten Ziele geändert haben – dem gefällt vielleicht dieser Artikel

Im zweiten Teil [Anm. d. Red. Kommt bald] lernt man, wie man bewusst seine Werte-Liste anwendet, um Entscheidungen zu treffen und Ziele zu erreichen.