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Wie man sich inspiriert

Nicht auf Inspiration warten – aktiv einladen!

Wenn du irgendeine kreative Arbeit hast, dann kennst du dieses Dilemma sicherlich: Solltest du arbeiten, wenn du nicht inspiriert bist oder solltest du erst auf Inspiration warten?

Ich habe mich schon oft diesem Problem stellen müssen – ob es nun um das Design für ein neues Computerspiel ging oder darum einen neuen und originellen Artikel zu schreiben. Manchmal erwischt mich die Inspiration zu den ungünstigsten Zeiten, z.B. 3 Uhr in der früh, wenn ich gerade im Bett liege, aber wenn ich schlau genug bin den Vorteil der Inspiration zu nutzen, dann kann ich bergeweise produktive Arbeit in kurzer Zeit bewältigen. Diese Erfahrungen fühlen sich oft zeitlos und transzendent an – als ob mir eine höhere, kreative Macht auf die Schulter getippt hat. Aber es gibt auch die Zeiten, in denen ich am Computer sitze und mich leer, abgelenkt oder uninspiriert fühle und wenn ich jetzt versuche, mich durch zu beißen, dann schaffe ich schon etwas von der Arbeit, aber ich werde keine Lösungen und Ideen produzieren, die auch nur annähernd so elegant oder brilliant sind, wie wenn ich inspiriert wäre. Kommt dir das bekannt vor?

Ich schätze den Wert inspirierter Arbeit viel mehr. Obwohl ich einen Abschluss in Informatik und Mathematik habe und darauf trainiert bin mit meiner linken Hirnhälfte Problemlösetechniken anzuwenden, bin ich doch auch Linkshänder und gehe viele technische Themen aus der Perspektive der rechten Gehirnhälfte an. Um Probleme zu lösen, verwende ich nur selten den methodischen Schritt-für-Schritt-Prozess über die linke Gehirnhälfte. In der High School habe ich oft versucht mathematische oder physikalische Probleme ohne die gelehrten Formeln zu lösen. Ich habe diese Ansätze, die ich einfach nur wiederkauen sollte, abgelehnt und versucht die Probleme kreativ zu lösen, insbesondere die schwierigsten und komplexesten. Ich habe mit fortgeschrittene Analysis-Probleme genommen und versucht, sie mit anderen Werkzeugen, wie Algebra, Geometrie oder den Gesetzen der Physik zu lösen. Und das interessante dabei war, dass meine Lösungen oft kürzer und weitaus eleganter waren als das, was in den Lehrbüchern zu finden war. Ich war der Ansicht, dass es nur wenig bringt, wenn man lernt Probleme so wie alle anderen zu lösen; solche Menschen findet man zu hauf. Aber es würde immer einen besonderen Platz für den Menschen geben, der Probleme kreativ lösen könnte.

Auf der anderen Seite schätze ich auch harte Arbeit und Disziplin. Es bleibt immer die Option, sich einfach durch zu kämpfen und auch dann zu arbeiten, wenn ich nicht inspiriert bin. Aber ich bin absolut kein Freund von Selbstdisziplin, wenn es um kreative Arbeit geht. Disziplin ist prima für sich wiederholende und höchst unkreative Arbeit, aber auf die Weise findet man kaum elegante Lösungen. Meine linke Gehirnhälfte mag sich mit einer disziplinierten Herangehensweise zufrieden geben, aber meiner rechten Gehirnhälfte ist das ein Dorn im Auge.

Ich bin zudem ungeduldig, insofern mag ich es nicht, darauf warten zu müssen, bis die Inspiration mich findet, insbesondere, wenn sie anscheinend einen längeren Urlaub eingelegt hat.

Eines Tages wurde ich neugierig und fragte mich, warum ich mich manchmal inspiriert fühle und manchmal gar nicht. Warum würde mich die Inspiration scheinbar für Wochen verlassen und mir dann einen Besuch abstatten, wenn ich gerade 5km von einem 10km-Lauf hinter mir habe? Gibt es hier ein Muster?

Und am allerwichtigsten: Kann man Inspiration erschaffen? Muss ich darauf warten, bis sie mich findet oder gibt es irgendetwas was ich unternehmen kann um sie einzuladen? Ich habe verschiede kreative Problemlösetechniken studiert, aber keine schien konsistent zu funktionieren und manchmal brauchten sie recht lange um ein Ergebnis zu produzieren.

Schließlich habe ich herausgefunden, dass man Inspiration definitiv erschaffen kann. Ich verwende diese Technik nun seit vielen Jahren und sie ist einer der Gründe, warum mir nie die Ideen ausgehen, worüber ich schreiben oder reden könnte. Es fühlt sich wie ein unendlicher Vorrat an. Und das Ganze ist ziemlich simpel.

Absichten klären

Wann immer ich mich für kreative Arbeit inspiriert fühlen möchte, lege ich eine Pause ein und nehme mir einen Moment Zeit um meine Absichten zu klären. Ich mache mir ganz deutlich, was es ist, was ich machen will und spreche dann diese Absicht aus. Dann lasse ich das Ganze gehen und warte, was gewöhnlich nur ein paar Minuten dauert.

Ein Beispiel hierfür wäre die Absicht, die ich für diesen Artikel genutzt habe. Zuerst saß ich früh gegen 04:30 Uhr herum und fühlte mich komplett uninspiriert. Ich hatte eine Liste mit Ideen, über die ich schreiben könnte, aber keine schien mich sonderlich zu inspirieren. Als formte ich die (sehr simple) Absicht:

“Ich habe die Absicht einen neuen kreativen Blog-Artikel zu schreiben, der meinen Lesern helfen wird.”

Dann habe ich diese Absicht losgelassen und gewartet. Innerhalb von 30 Sekunden, hatte ich die Idee über dieses Thema zu schreiben und jetzt sprudeln die Worte mühelos aus mir heraus.

Hier ist meine aktuelle Theorie, wie das funktioniert. Meine Absicht verhält sich wie eine Gedankenwelle, die sich im Universum ausbreitet und nach einer kurzen Zeitperiode wird diese Welle in Form von kreativen Ideen zu mir zurück reflektiert. Es ist wie ein Delphin, der Sonar benutzt um per Echo Objekte zu lokalisieren, mit dem Unterschied, dass ich damit per Echo kreative Ideen finde. Es fühlt sich für mich so an, als ob ich eine spezielle Form von Sonar in eine imaginäre Welt purer Gedanken aussende. Wenn meine Absicht mit einer Idee kollidiert, die mit ihr in Einklang steht, dann entsteht eine reflektierte Welle, die zurück zum Ursprung geht und ich als Idee oder Impuls wahrnehme. Die ersten Ideen, die in meinem Kopf auftauchen, sind auch die, die ich nehme.

Absichten funktionieren nicht auf die selbe Art wie Ziele. Wenn du deine Absicht zu sehr einschränkst, dann wirst du keine Reflektion erhalten, weil nichts perfekt mit ihr in Einklang steht. Also versuche, deine Absichten offen und etwas abstrakt zu halten, es sei denn es gibt spezifische Details, die wirklich wichtig für dich sind. Wenn du Absichten generierst, die zu steif sind, dann eliminierst du die Möglichkeit für eine ganzheitliche Lösung. Zum Beispiel, wenn du dich auf die Absicht fokussierst, ein grundlegendes Problem zu lösen und deine Kreativität wirkt weiterhin blockiert, dann könnte es sein, dass du gar nicht dieses Problem an sich lösen solltest – du musst nur etwas auf höherer Ebene umstellen um das Problem an sich zu eliminieren.

Ich finde, dieser Ansatz funktioniert ungeheuer gut. Wann immer etwas nicht zu funktionieren scheint, dann weiß ich, dass es daran liegt, dass meine Gedanken ein Interferenzmuster erzeugen und sich somit gegenseitig auslöschen. Ich sende mit einander in Konflikt stehende Absichten aus – du musst verstehen, dass jeder Gedanke eine Absicht ist. Das ist der Moment, wo ich einen Schritt zurücktreten muss und eine höhere, allgemeinere Absicht formulieren muss, die über den ganzen Störsignalen steht. Wenn du einen Kieselstein in einen ruhigen See wirfst, dann siehst du, wie sich die Wellen von einem Punkt an ausbreiten. Aber wenn du einen Kieselstein in unruhiges Wasser wirfst, dann werden die Wellen von den bereits existierenden Wellen verschluckt. Also musst du in so einem Fall einen Platz finden, wo das Wasser ruhiger ist – dich von deinen mit einander in Konflikt stehenden Gedanken lösen, inbesondere denen, die mit Angst, Sorgen und Stress einhergehen.

Zum Beispiel, wenn ich nichts zurückbekommen würde, nachdem ich die Absicht kreative Ideen für neue Artikel zu finden, ausgesandt habe, dann würde ich einen Schritt zurücktreten und eine neue Absicht formen, wie z.B.

“Ich beabsichtige, die nächste Stunde in den Dienst für das Wohl aller zu stellen.”

Das ist eine allgemeinere Absicht und sie kann dabei helfen Blockaden zu überwinden. Vielleicht bin ich gerade blockiert, weil ich im Moment gar nicht schreiben sollte. Vielleicht gibt es etwas wichtigeres, was ich tun sollte. Absichten wirken ganzheitlich, also ist es wichtig, ihnen genug Flexibilität zu lassen.

Also fang mit einer spezifischen Absicht an und wenn dir die Reflektionen nicht gefallen, die du erhälst, dann geh einen Schritt zurück und forme neue Absichten, bis die Reflektionen zu dir passen.

Wenn du diesen Prozess erstmal gemeistert hast, dann solltest du dich nie wieder zu kreativer Arbeit zwingen müssen, wenn du dich nicht kreativ fühlst. Auch wenn man in solchen Momenten irgendwelchen Output generieren kann, dann weißt su sicherlich selbst, dass sich diese Arbeit leblos und uninspiriert anfühlt, wenn du sie dir später nochmal anschaust. Deine Absichten zu klären und zu fokussieren, dauert meist nur wenige Sekunden und du wirst feststellen, dass sich deine Absichten immer dann manifestieren, wenn du dir absolut darüber im Klaren bist, was du haben willst.

Also warte nicht auf Inspiration. Benutz diese simple Technik zum die Inspiration aktiv einzuladen und einen Fluss kreativer Ideen freizusetzen.