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Wie man weiß, wann man eine Verpflichtung brechen muss

Ich verstehe diejenigen, die wegen der Absage des Software-Buches sauer sind. Verpflichtungen einzuhalten ist wichtig für mich.

Die wichtige Lektion, die ich aber lernen musste, war zu wissen, wann man eine Verpflichtung brechen muss – wenn man einen höheren Bewusstseinszustand erreicht, in dem die originale Verpflichtung keinen Sinn mehr ergibt, wie weiß man dann, wann man sie abschütteln muss? Sollte man das überhaupt machen?*

Da ich eine Menge Zeit damit verbringe, an meinem Wachstum zu arbeiten, kommt es vor, dass ich aus meinen alten Verpflichtungen herauswachse – ich erreiche einen Punkt, an dem es klar wird, dass die originale Verpflichtung nicht länger Sinn macht und mit dem Wissen, das ich jetzt habe, hätte ich mich auch auch niemals dazu verpflichtet. Untergrabe ich nun mein neues Bewusstsein und mache dennoch damit weiter oder verfolge ich den neuen Kurs, wenn klar wird, dass das die intelligenteste und ehrenhafteste Wahl ist? Oft ist es auch eine moralische Frage. Wenn ich ein Sklavenhändler aus den Südstaaten wäre, der versprochen hat, 100 frische Sklaven an ihr Ziel zu bringen und ich dann plötzlich eine Erleuchtung hätte und realisierte, dass Sklaverei falsch ist, sollte ich dann mein originales Versprechen einhalten? Was ist das Ehrenhafteste, was man machen kann? In meinem Fall würde ich die originale Verpflichtung brechen. Diejenigen, die das Einhalten von Verpflichtungen als ihren wichtigsten Wert ansehen, würden damit fortfahren die Sklaven zu verschiffen, unabhängig von ihren persönlichen Gefühlen – tatsächlich haben viele genau das gemacht.

Eine Frage der Moral

Auch wenn es merkwürdig erscheinen mag, das Buch zu beenden, war auch für mich eine moralische Frage. Ich habe den Punkt erreicht, an dem ich erkannt habe, dass ich viel mehr Leuten helfen könnte, indem ich direkt über Themen zum persönlichen Wachstum schreibe und rede. Das schwierige Thema in diesem Artikel eingeschlossen. Wenn ich bei meinem bisherigen Kurs bleiben würde, dann würde ich viel Gutes rausschieben müssen, nur um unbedingt einer kleinen Zahl von Software-Entwicklern dabei zu helfen, mehr Verkäufe zu erreichen und besseres Marketing zu betreiben. Auf meiner aktuellen Bewusstseinsebene konnte ich die alte Entscheidung nicht länger rechtfertigen. Die Welt wird nicht aufhören sich zu drehen, nur weil ich das Buch nicht fertig schreibe.

Eine Entscheidung wie diese zu fällen, benötigt ein sorgfältiges Abwägen der Konsequenzen. Das Buch abzusagen hat vielleicht meine Glaubwürdigkeit bei ein paar Leuten untergraben, aber ich glaube, dass es gleichzeitig meine Glaubwürdigkeit bei vielen Anderen unterstützt, und ich weiß bereits, dass ich damit ein paar Anderen geholfen habe, die sich festgefahren fühlten, mit Verpflichtungen, die sie nicht wieder eingehen würden und die Probleme damit hatten, zu entscheiden, ob sie ihre Verluste minimieren sollten.

Verschiedene Bewusstseinsebenen

Wenn ich eine Verpflichtung auf einer bestimmten Bewusstseinsebene eingehe und dann eine neue Ebene erreiche, auf der diese Verpflichtung einfach falsch ist, dann werde ich diese Verpflichtung brechen. Wenn einen das aus der Bahn wirft, dann sollte man mich wohl nicht in seinem Leben haben. Am Besten nicht mehr diesen Blog lesen. Die Frage ist nicht, was nur für mich richtig ist; ich denke auch viel darüber nach, was das Beste für alle ist. In diesem Fall ist es für mich völlig klar, dass das Fertigschreiben meines Buches, global gesehen, nicht das Beste ist. Wenn das bedeutet, dass ich dabei meine Glaubwürdigkeit bei einigen Leuten beschädige, dann bin ich bereit den Preis zu zahlen.

Verpflichtungen meiden?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist zu wissen, wann man eine Verpflichtung überhaupt erst eingehen sollte. Als ich ursprünglich mit dem Buch-Projekt angefangen habe, waren meine Prioritäten verschoben. Ich habe das Projekt aus den falschen Gründen angefangen. So ein Projekt passte gar nicht zu mir; es war ein zu zaghafter Schritt. Ich habe ein besseres Verständnis dafür entwickelt, welche Verpflichtungen ich eventuell brechen muss und zu welchen ich stehen werde, egal was passiert. Zum Beispiel wurde ich 1993 Vegetarier und dann 1997 Veganer und ich habe diese Verpflichtungen nie gebrochen. Daher erwarte ich, dass ich mit jeder gelernten Lektion, besser und besser werde in meinem Wissen, welche Verpflichtungen die richtigen für mich sind und welche nicht. Aber in der Zwischenzeit sehe ich keine Ehre darin, stur bei alten Verpflichtungen zu bleiben, die ganz klar nicht das Beste für uns alle sind – gewisse Leute, die an das Gegenteil glauben, haben ohne Ende Probleme auf diesem Planeten verursacht. Mir fallen da spontan eine Menge Leute, Firmen und Länder ein, die ihre Verpflichtungen überdenken sollten und sich wieder am höchsten Gut für alle orientieren sollten. Ich denke, dass wir uns, global gesehen, auf eine massive Neubewertung von bestehenden Verpflichtungen zu bewegen.