Loading
Steve Pavlina Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen Steve Pavlina - Persönlichkeitsentwicklung für intelligente Menschen

News abonnieren

  1. Artikel als RSS
  2. Artikel als ATOM

Wissen eliminiert Angst

Ein großartiger Weg, Angst zu bewältigen, ist, sich so lange (weiter) zu bilden, bis man seine Angst vergisst.

Nehmen wir die größte Angst der meisten Menschen – öffentlich Reden halten. Öffentlich zu sprechen hat viele Variablen –
die Rede schreiben und aufbauen, sie mit Selbstbewusstsein vortragen, sie stimmlich zu variieren, die Höhe und Lautstärke der Stimme, Gesten, Körpersprache, Augenkontakt, visuelle Hilfsmittel, das Ziel der Rede zu erreichen, mit dem Publikum in Verbindung stehen, sich an die Reaktion des Publikums anpassen, usw. Wenn man nicht genau weiß, wie man diese Dinge tut, werden sie einen unglaublich unsicher machen und überfordern – und Angst wird die natürliche Reaktion sein.

Man muss nur einem talentierten Schauspieler oder einer talentierten Schauspielerin zusehen – alles was sie machen, erscheint so natürlich – sie werden zu ihrem Charakter. Man sieht aber nicht die subtilen kleinen Schritte, die in jahrelanger Arbeit gemacht wurden, um diese Stufe des Könnens zu erreichen. Ein Grund, weswegen Menschen vor der Kamera oder auf der Bühne wirklich selbstbewusst statt ängstlich sind, ist, das sie sich die Zeit genommen haben zu lernen, was sie genau tun müssen.

Wenn man seine Fähigkeiten stetig (weiter)entwickelt, indem man von Anderen lernt, die die Fähigkeit in kleine, erlernbare Stücke heruntergebrochen haben, dann wird die Angst immer kleiner, weil man weiß, was man tut. Das ist ein Grund, weswegen wir bei jedem Toastmasters-Treffen “Stehgreif-Reden” halten. Es wird erwartet, dass man am Anfang schlecht darin ist.

Wenn man es aber immer und immer wieder macht, dann fühlt man sich wohl damit und wenn man sich plötzlich einer Situation gegenüber sieht, in der man eine Rede aus dem Stehgreif halten muss, kann man sich entspannen, weil man weiß, wie man damit umgehen muss.

Ich hatte eine ähnliche Erfahrung, als ich sieben Jahre lang Martial Arts trainiert habe. Wenn man lernt und trainiert, wie man einen Angreifer behandeln muss, dann hat man weniger Angst davor, angegriffen zu werden. Ich kann mich daran erinnern, dass ein Schüler meiner Schule von einem Möchtegern-Taschenräuber angegriffen wurde, als er gerade den grünen Gürtel hatte und er nutzte das Gelernte, um den Angreifer abzuwehren ohne selbst verletzt zu werden.

Viele der Schwarzen Gürtel der Schule hatten tatsächlich gar keine Angst je angegriffen zu werden, weil sie wussten, dass ihre Reflexe einfach für sie handeln würden – sie machten sich tatsächlich mehr Sorgen darum, jemanden aus Versehen wirklich schwer zu verletzen. Ihr ganzer Körper wusste, was er machen musste.

Als ich den braunen oder roten Gürtel erreichte, fing es bei mir auch so an. Fast wollte ich, dass mich jemand angreift, nur um zu sehen, wie mein Körper durch das viele Training reagieren würde. Von Anderen an meiner Schule hörte ich, dass das sehr verbreitet ist. Wenn man weiß, was man tut, dann hat man nicht nur keine Angst mehr – man beginnt das Objekt seiner Angst willkommen zu heißen. Ich schlage nicht vor, dass es eine gute Idee ist, Angriffe zu provozieren. Ich sage nur, dass Bildung ein mächtiger Weg ist, Angst zu zerstören. Unsicherheit sorgt für Angst, Wissen eliminiert sie.

Es ist unwahrscheinlich, dass man vor etwas Angst hat, indem man gut ist. Eine großartige Möglichkeit, seine Angst zu besiegen ist also, sich zu verpflichten, mehr über seine Angst zu lernen. Auf diese Art übernimmt man die Kontrolle über sein Objekt der Angst, indem man ihr in ganz kleinen Konfrontationen gegenüber tritt.

Wenn man Angst davor hat, öffentliche Reden zu halten, dann sollte man lernen zu reden. Wenn man Angst davor hat, nicht zu wissen, wie man mit einem medizinischen Notfall umgeht, dann sollte man Reanimation und Erste Hilfe erlernen. Wenn man einer dieser Menschen ist, die sich auf der Autobahn nicht einordnen können, sollte man sich jemanden suchen, der das kann und es einem beibringt.